Zinswende: Credit Suisse rät zu Vorsicht bei Aktien – soll ich meine Anlagen nun verkaufen?

Zinswende: Credit Suisse rät zu Vorsicht bei Aktien – soll ich meine Anlagen nun verkaufen?
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ZinswendeCredit Suisse rät zu Vorsicht bei Aktien – soll ich meine Anlagen nun verkaufen?

Michael Strobaek, der weltweite Investmentchef der Credit Suisse, zeichnet ein düsteres Bild der Märkte. Muss man Aktien jetzt verkaufen? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

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Die neue Zinspolitik der Nationalbanken hat die Sommerrally an den Aktienmärkten abrupt beendet. Das Bild zeigt den New York Stock Exchange am 22. August. An diesem Tag sank der Dow Jones um über 600 Punkte.

AFP/Getty Images/Michael M. Santiago

Michael Strobaek, der global Investmentchef der Credit Suisse, hat nun in einem Investoren-Newsletter der Bank dazu geraten, “sich vorsichtig zu positionieren und das Risiko weiter zu senken”.

Michael Strobaek, der global Investmentchef der Credit Suisse, hat nun in einem Investoren-Newsletter der Bank dazu geraten, “sich vorsichtig zu positionieren und das Risiko weiter zu senken”.

20min/Celia Nogler

Die Bank geht davon aus, dass der Renditeausblick für Aktien in den nächsten Monaten klar negativ sein werde.

Die Bank geht davon aus, dass der Renditeausblick für Aktien in den nächsten Monaten klar negativ sein werde.

20min/Celia Nogler

  • Die Nationalbanken meinen es ernst: Sie bekämpfen die hohe Inflation mit Zinserhöhungen.

  • Das hat zum Stopp der kurzen Sommerrally an den Aktienmärkten geführt.

  • Die Credit Suisse hat nun sogar beschlossen, ihre Aktienbestände zu reduzieren.

  • Trotzdem warnt die Bank: Wer jetzt verkauft, könnte die spätere Erholung der Kurse verpassen.

Jerome Powell, der Vorsitzende der US-Notenbank Fed, will die Inflation bekämpfen: Um die Preisstabilität wiederherzustellen, seien wohl «für einige Zeit» höhere Zinsen notig, sagte er letzte Woche an einer Notenbankkonferenz in den USA. Auch die Schweizerische Nationalbank dürfte den Leitzins weiter erhöhen.

Michael Strobaek, der world Investmentchef von Credit Suisse (CS), hat nun in einem Newsletter der Bank dazu geraten, “sich vorsichtig zu positionieren und das Risiko weiter zu senken”.

Müssen wir nun also raus aus den Aktien und Geld wieder auf dem Bankkonto horten? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Werden die Notenbanken die Zinsen wirklich weiter erhöhen?
Ja, davon geht die CS aus. Die Fed werde den Leitzins anheben, und auch die Europäische Zentralbank werde ihre Zinsen erhöhen. Die Schweizerische Nationalbank hat ebenfalls weitere Zinserhöhungen signalisiert.

Was bedeutet die Zinswende für die Anlegerinnen und Anleger?
An der Börse war oft vom “Fed Put” die Rede: Die US-Notenbank werde die Kurse mit ihrer lockeren Geldpolitik (siehe Box) hochhalten. Mit der Zinswende sei damit nun aber vorläufig Schluss, sagt Strobaek. Die Märkte hätten “zu viel Hoffnung” und “nicht genug wirtschaftliche Realitäten” eingepreist.

Mit dem Leitzins steuern die Nationalbanken den Geldmarkt. Sie versuchen so, die Inflation zu bekämpfen und die Preise stabil zu halten. Die Höhe des Zinssatzes sagt aus, wie viel Bankinstitute zahlen müssen, wenn sie sich von einer Zentralbank Geld leihen. Eine restriktive Geldpolitik mit hohen Zinssätzen macht Geld teurer, eine lockere Geldpolitik mit tiefen Zinssätzen macht Geld günstiger.

Will react die Credit Suisse auf die Zinswende?
Sie geht nun davon aus, dass der Renditeausblick für Aktien in den nächsten Monaten klar negativ sein werde. Gerade bei riskanten Anlagen rechnet sie mit Kursverlusten. Das Anlagekomitee der Bank hat darum am 29. August an einer ausserplanmässigen Sitzung eine “taktische Untergewichtung von Aktien” beschlossen.

“Taktische Untergewichtung von Aktien” – was heisst das genau?
Dass die Bank einen Teil ihrer Aktien abstossen wird. Gleichzeitig betont sie aber, dass eine Untergewichtung von Aktien keinen vollständigen Ausstieg aus den Aktienmärkten bedeute.

Warum rät die Credit Suisse zur Vorsicht?
Weil das aktuelle Umfeld für die Finanzmärkte heikel ist: Das Wachstum lässt nach, die Wahrscheinlichkeit einer Rezession steigt, die Inflation bleibt hoch und die Zinsen gehen nach oben. “Die kommenden Monate dürften daher schmerzhaft werden, während sich die Märkte an diese neue Realität anpassen”, sagt Strobaek.

Welche Aktien hält die CS noch?
Die Bank musste kürzlich ihre Beteiligungen an US-Aktien vorlegen. Den grössten Anteil im US-Depot machten per 30. Juni Aktien von Microsoft, Apple, UBS, Amazon, Alphabet, United Health, Google, Johnson & Johnson, Tesla und Alcon aus. Welche dieser Titel die Bank weiterhin halten wird, ist unklar.

Soll ich jetzt meine Aktien verkaufen?
‘Anleger sollten nicht verzweifeln’, sagt Strobaek. “Sie wären schlecht beraten, alle Positionen abzustossen und sich gänzlich aus den Märkten zu verabschieden.” Stattdessen sei es sinnvoll, das Portfolio breit zu diversifizieren. Denn wer bloss Cash halte, erleide wegen der Inflation garantiert einen Kaufkraftverlust. Auch das VZ Vermögenszentrum empfiehlt auf Anfrage, an einer langfristigen Anlagestrategie festzuhalten.

Wann gehen die Kurse wieder rauf?
Das kann niemand voraussagen. “Es ist einfach, bei Turbulenzen das Handtuch zu werfen”, sagt Strobaek. Wer aufgebe, verpasse aber wohl auch die Erholung. “Meines Erachtens steuern wir in den kommenden Monaten auf einen Realitätscheck zu. Vorerst trösten wir uns damit, dass wir nun vorsichtiger positioniert sind.”

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