Was das Filmfest München 2022 zu bieten hat – ein Überblick – München

Was das Filmfest München 2022 zu bieten hat - ein Überblick - München
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Nach den Gastspielen im Autokino (2020) und in den Freilichtstätten (2021) geht das Filmfest 2022 zum Großteil wieder dort über die Bühne, wo es hingehört: in den Kinos der Stadt. Zehn Tage lang, ohne Maskenpflicht und Streaming-Alternativen, flankiert von Diskussionsrunden, Branchentreffs und Galas. Über diesen Schritt zurück zur Normalität dürften sich nicht nur die Festivalmacher freuen, auch das filmaffine Publikum kann sich wieder nach Herzenslust von der Bilderflut mitreißen lassen. Zwar liegen alte Programmumfänge und Wachstumsziele in weiter Ferne, aber ein Anfang ist gemacht. Der Kartenvorverkauf zur am 23. Juni beginnenden 39. Ausgabe startet voraussichtlich am 17. Juni; von 20. Juni an können Tickets auch im Festivalzentrum (neu: Amerikahaus) erworben werden.

Eröffnungsfilm und deutsche Filme

Eine Entdeckung: die außergewöhnliche Film-Performance “Mutter” with Anke Engelke.

(Photo: Tom Trambow/Filmfest München)

Hoch soll sie leben, singen sie, dreimal hoch. “Schön soll sie bleiben, dreimal so schön”, jubilieren sie weiter. Doch die Kaiserin will es weder hoch noch schön, sie täuscht Ohnmachten vor und taucht ab. “Bodice” erzählt von der 40-jährigen Sisi (Vicky Krieps), das österreichisch-deutsch-französische Historiendrama der Österreicherin Marie Kreutzer eröffnet das Filmfest. Das deutsche Kino zeigt sich vielseitiger denn je, auf dem Spielplan stehen ein Dokumentarfilm über Elfriede Jelinek oder eine im Heiligen Land angesiedelte Buddy-Komödie. Anke Engelke ist in einer Mischung aus Spielfilm, Doku und Performance als “Mutter” zu sehen, Klaus Lemke reist zurück in die Siebzigerjahre, und Doris Dörrie lässt im “Freibad” Frauen aus unterschiedlichen Kulturen ins Wasser. Auch die Debüts klingen vielversprechend: In “The Ordinaries” träumt eine Frau von einem Leben als Hauptfigur, in “Gott ist ein Käfer” geht es um Glaubensfragen, und in “Performer” plant ein Abiturient einen Amoklauf.

In der Reihe “Neues deutsches Fernsehen” sind acht neue Filme zu sehen, von Rainer Kaufmann, Dominik Graf oder Esther Gronenborn. Auch neue Fernsehserien werden gezeigt, über den Jahrestag des Münchner Olympia-Attentats oder über ein Flüchtlingsboot im Mittelmeer, mit Stars wie Birgit Minichmayr, Alexander Scheer, Eva Mattes, Friedrich Mücke oder Juliane Köhler.

International Kino

Kino: Auch die kinoreife Lady-Di-Doku "The Princess" ist in München zu sehen.

Auch die kinoreife Lady-Di-Doku “The Princess” ist in München zu sehen.

(Photo: Kent Gavin/Filmfest München)

120 Filme aus 52 Ländern sind auf dem Filmfest zu sehen, aus traditionellen Kinoländern wie Frankreich oder den USA, aber auch aus exotischeren Filmnationen wie Ägypten, Kasachstan oder Costa Rica. Die meisten liefen bereits auf anderen Filmfestivals, haben in München aber ihre Deutschlandpremiere. Einige waren gerade erst im Wettbewerb von Cannes zu sehen, Valeria Bruni Tedeschis autobiografisch geprägter Schauspielerinnenfilm “Les Amandiers” etwa, das iranische Familiendrama “Leila’s Brothers” oder der brandaktuelle Dokumentarfilm “Mariupolis 2”, dessen Regisseur Mantas Kvedaravičius während der Dre harbeiten vor imvor ukrainischen Mariupol getötet wurde.

Aber auch etwas leichtere Unterhaltung wird gezeigt: die spanische Komödie “Der perfekte Chef” mit Superstar Javier Bardem in der Hauptrolle, die Lady-Di-Doku “The Princess” oder die französische Literaturverfilmung “Verlorene Illusionen” mit Benjamin Voisin, Cécile De France und Gérard Depardieu. Die Werke von Regieveteranen wie Albert Serra (“Pacifiction”) oder Terence Davies (“Benedicton”) stehen ebenso auf dem Programm wie die Regiedebüts von jungen Filmemacherinnen wie Charlotte Wells (“Aftersun”) oder Riley Keough und Gina Gammell (“War Pony” ).

Festivalorte

Kino: Das Sugar Mountain ist der vielleicht lässigste Ort des Festivals.

Das Sugar Mountain ist der vielleicht lässigste Ort des Festivals.

(Photo: Dominik Bindl/Filmfest München)

Seit einigen Jahren wird darüber diskutiert, nun steht das neue Festivalzentrum fest: Das Amerikahaus am Karolinenplatz ersetzt den alten Gasteig als zentrale Anlaufstelle für Publikum und Branche. Yesterday gibt’s Tickets an den Kassen (ab 20. Juni) und Drinks an der Lounge-Bar, hier werden Filme gezeigt, hier gehen Diskussionsrunden über die Bühne (etwa die beliebten “Filmmakers Live!”-Veranstaltungen). Mit der HFF und dem Museum Brandhorst (Themenschwerpunkt “Body Horror”) hat das Kunstareal zwei weitere Spielstätten zu bieten. Neu in diesem Jahr ist der Ort der glamourösen Eröffnung: Am Donnerstag, 23. Juni, soll die Isarphilharmonie im Gasteig HP8 zum größten Kinosaal Münchens werden. Rote Teppiche wird es auch vor der Astor Film Lounge im Arri geben, vor den City-Kinos, Filmmuseum und Gloria-Palast sowie Rio und Filmtheater Sendlinger Tor. Open-Air-Stätte ist das Kino, Mond & Sterne im Westpark, und auch das hippe Sugar Mountain ist wieder mit dabei.

Stars und Ehrengäste

Kino: Soll ein bisschen internationalen Glanz nach München bringen: die Italienerin Alba Rohrwacher.

Soll ein bisschen internationalen Glanz nach München bringen: die Italienerin Alba Rohrwacher.

(Photo: Kurt Krieger/Filmfest München)

Letztes Jahr ehrte das Filmfest ein cineastisches Frauenquartett, dieses Jahr steht ein Damenduo im Mittelpunkt: Die italianische Schauspielerin Alba Rohrwacher erhält den Cine-Merit-Award, der Münchner Regisseurin Doris Dörrie ist die Hommage gewidmet. Die Auszeichnungen werden separat verliehen, eine Verbindung gibt es trotzdem: Rohrwacher spielte bereits unter Dörries Regie (2012 im Kinofilm “Glück”), vielleicht kommt es auf dem Filmfest ja zu einem Wiedersehen.

Die großen Stars aus Hollywood, die in den Vorjahren vereinzelt das Festival beehrten, fehlen dieses Jahr – was wohl an der Pandemie liegt, vielleicht auch am Budget. Dafür wird internationale Regieprominenz erwartet: Der Franzose Jean-Jacques Annaud wird seinen Film “Notre-Dame in Flammen” persönlich vorstellen, auch der Russe Kirill Serebrennikov, der Iraner Saeed Roustaee, der Brite Ed Perkins oder das Filmemacherduo Daniel Geller und Dayna Goldfine wollen ihre Filme in München persönlich präsentieren. Wer deutsche Stars sehen will, darf sich auf Andrea Sawatzki, Alexander Fehling, Matthias Brandt, Bibiana Beglau oder Clemens Schick freuen. Auch die Jurys sind prominent besetzt, unter anderen entscheiden Sönke Wortmann, Sibel Kekilli, Riley Stearns oder Almila Bagriacik in München über die Vergabe der Preise.

Auszeichnungen und SZ-Publikumspreis

Neben den hoch dotierten Wettbewerbspreisen (Arri Award und Cinevision-Award für internationales Kino) und den Förderpreisen Neues Deutsches Kino gibt es erneut den Kritikerpreis Fipresci und den Bernd-Burgemeister-Fernsehpreis. Neu in diesem Jahr sind der Cine-Rebels-Award (für experimentalelle Filme) und der Cine-Kindl-Award (Kinderfilme). Auch Besucher können als Jury aktiv werden: Sowohl beim Kinderfilmfest-Publikumspreis als auch beim Bayern 2- und SZ-Publikumspreis hat jeder Ticketkäufer die Möglichkeit, seinen Liebling online zu unterstützen. Zu gewinnen gibt es Kinojahrespässe. Die Preisübergabe erfolgt bei der Award-Ceremony am letzten Festivalsamstag.

Kinderfilmfest

Kino: Eine 13-Jährige, die nicht so werden will wie ihre Mutter, ist die Heldin des schwedischen Spielfilms "comedy queen".  Gespielt is sie von Sigrid Johnson.

Eine 13-Jährige, die nicht so werden will wie ihre Mutter, ist die Heldin des schwedischen Spielfilms “Comedy Queen”. Gespielt is sie von Sigrid Johnson.

(Photo: Filmfest München)

Was tun, wenn man 13 Jahre alt ist und die Mutter gerade Suizid begangen hat? Im Fall von Sasha (Sigrid Johnson), der Heldin des schwedischen Spielfilms “Comedy Queen”, ist die Antwort gleichermaßen originell und herzzerreißend komisch. Denn Sasha erstellt eine Überlebensliste, um keinesfalls so zu werden wie ihre depressive Mutter. Das bedeutet unter anderem, sich die Haare abzurasieren und keine Bücher mehr zu lesen. Aber dann ist da noch etwas ganz Wichtiges: Sie will ihren Vater wieder zum Lachen bringen. “Comedy Queen”, Sanna Lenkens Verfilmung des gleichnamigen Romans der Autorin und Psychologin Jenny Jägerfeld, erhielt auf der diesjährigen Berlinale den “Gläsernen Bär”.

Das Werk ist einer von zwölf Kurz- und Langfilmen, die der Programmleiter Tobias Krell für das Kinderfilmfest ausgesucht hat – und einer von drei Langfilmen, in denen sehr unterschiedliche Vater-Tochter-Beziehungen im Fokus stehen. An das etwas jüngere Publikum wendet sich Michael Krummenachers Eröffnungsfilm “Der Räuber Hotzenplotz”, in dem die beliebte Schurkenfigur, gespielt vom österreichischen Burgtheater-Star Nicholas Ofczarek, pünktlich zum 60. Geburtstag von Otfried Preußlers Kinderbuchklassiker auf die großkeckützure Leinwand. Aber auch an die Jüngsten wurde gedacht: Für sie gibt es erneut das Angebot “Kurzes für Kleine 5+”.

Rahmenprogramm

Kino: Ob es auf dem Filmfest zu wilden Champagner-Orgien kommt, wird sich zeigen.  Das Foto stammt aus dem französischen Film "Verlorene Illusionen".

Ob es auf dem Filmfest zu wilden Champagner-Orgien kommt, wird sich zeigen. Das Foto stammt aus dem englisch Film “Verlorene Illusionen”.

(Photo: Filmfest München)

Die ausgelassenen Filmfest-Partys wie zuletzt 2019 wird es dieses Jahr nicht geben, und die meisten Empfänge sind nur für die Branche konzipiert. Dennoch gibt es auch für das Publikum einige Möglichkeiten, sich die Zeit zwischen den Filmen anregend zu vertreiben. Zum Ort der Begegnung soll die Lounge im Außenbereich des Amerikahauses werden. Da in den Innenräumen jenes neuen Festivalzentrums die “Filmmakers Live!”-Talkrunden über die Bühne gehen (Eintritt frei, begrenztes Platzkontingent), dürfte sich hier auch der eine oder andere Star ungezwungen aufhalten und womöglich unters Volk mischen. Auf dem Programm stehen unter anderem Diskussionsrunden mit Anke Engelke (26.6.), Doris Dörrie (29.6.) und Rosa von Praunheim (1.7.). Außerdem gibt es Diskussionen zu Themes wie “Kämpferinnen für den Film – Was engagierte Frauen erleben”, VFX, “Sind Serien die neuen Blockbuster?” or Deutsches Kino, “made in Munich”.

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