«Vielleicht brauchts noch mehr Tore» – Michael Frey wartet auf Nati-Aufgebot

«Vielleicht brauchts noch mehr Tore» – Michael Frey wartet auf Nati-Aufgebot
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Michael Frey schiesst den belgischen Verein Royal Antwerpen mit 24 Toren in die Conference League. Trotz Bestmarke wartet der 27-Jährige vergeblich auf einen Anruf von Nati-Trainer Murat Yakin. Der Knipser im Gespräch mit 20 Minuten.

Tor Nummer 24: Michael Frey beendet eine Wahnsinns-Saison mit einem Hacken-Tor.

Video: Twitter

Das letzte Playoff-Spiel in Belgien. Der Vierte Royal Antwerpen gewinnt beim zweitplatzierten Überraschungsteam Union Saint-Gilloise 1:0. Die Szene des Spiels: ein sehenswerter Hacken-Treffer von Royals Tormaschine Michael Frey (siehe Video). Es ist das 24. Saisontor des 27-jährigen Münsingers (vier Assists). Damit kommt Frey in der belgischen Torschützenliste knapp nicht an Saint-Gilloise’ Torschützenkönig Deniz Undav (25) vorbei (26 Tore).

Dafür aber stellt er aus Schweizer Sicht eine Bestmarke auf: Er überholt damit Haris Seferovic (30), der bis anhin mit seinen 23 Toren für Benfica Lissabon in der Season 2018/19 der erfolgreichste Schweizer Torschütze in einer ausländischen Liga war. In jüngerer Geschichte, notabene. So schoss beispielsweise der Neuenburger André Abegglen seinen Verein Sochaux im Jahr 1935 mit 30 Toren zum Meistertitel. Auch in unteren Ligen sind ähnliche Werte vorgekommen.

In Belgien ging der Knopf auf

So oder so, für einen Michael Frey sind Rekorde höchstens zweitrangig. “Ich kriege es mit, es macht mich in diesem Moment stolz, aber es ist Nebensache”, sagt er gegenüber 20 Minuten. Vielmehr geniesse er seine momentane Erfolgssträhne: “Wenn ich ein Tor schiesse, bin ich der glücklichste Mensch auf der Welt. Je mehr Tore ich schiesse, umso mehr darf ich dieses Gefühl erleben.” Deshalb versuche er, so oft wie möglich zu treffen.

Seit vergangenem Sommer geht er für Antwerpen auf Torejagd. In der Vorsaison war er von Fenerbahce an Waasland-Beveren ausgeliehen. Bei den Ostflandern, wo auch der Berner Leo Bertone spielte, konnte der 1,90-Hüne zwar den Abstieg aus Belgiens Oberhaus nicht verhindern, dafür aber ging ihm persönlich der Knopf auf. 14 Ligatore, drei im Pokal. Woran lags? “Ich habe immer daran geglaubt, dass sich harte Arbeit auszahlt und ich hatte die richtigen Leute im Boot, die mich unterstützen”, so Frey.

“Fühle mich hier wie zu Hause”

Und tatsächlich: Es zahlte sich aus, Royal liess sich Freys Dienste gute zwei Millionen Franken kosten. Ein Investment, dass sich für den Club wiederum gelohnt haben sollte. Denn der älteste Club des Landes (1880 gegründet) qualifiziert sich auch dank des Schweizer Knipsers für die Conference League – und hat in der kommenden Saison noch höhere Ansprüche. “Der Club hat Ambitionen, nächstes Jahr um den Titel zu spielen”, so Frey. Und: “Es sollen mehrere Verstärkungen folgen diesen Sommer.”

Auf der Trainerbank gab es bereits einen Wechsel: An Auffahrt wurde bekannt, dass der ehemalige Eindhoven- und Wolfsburg-Coach Mark van Bommel (45) das Amt vom Dänen Brian Priske (45) übernehmen wird. Frey selbst wolle seinen bis 2024 gültigen Vertrag erfüllen. “Ich fühle mich in Antwerpen wie zu Hause”, so Frey. Auch die Beziehung zu den Fans sei sehr gut: “Ich freue mich, wenn die Leute mich in der Stadt ansprechen und sich freuen, mich zu sehen.” Ob ihm nicht manchmal etwas aus der Heimat fehlt: “Doch, unsere wunderschönen Schweizer Berge.”

Spielt bei Yakin keine Rolle

Nicht vermissen würde er die Super League. Der belgische Fussball sei seinem Empfinden nach deutlich schneller und körperbetonter als die höchste Liga der Schweiz. Eigentlich also der ideale Entwicklungsort, um sich für die Nationalmannschaft aufzudrängen – auch 24 Saisontore und der mit gut fünf Millionen Franken sechsthöchste Marktwert eines Schweizer Offensivspielers (Transfermarkt.ch) legen ein Aufgebot nahe. Dieses hatte er zwar 2014 vom damaligen Trainer Vladimir Petkovic (58) erhalten, Einsatzminuten aber nicht.

Unter Murat Yakin (47) is Michael Frey kein Thema. Auch nach der jüngsten Wahnsinns-Saison wird Frey nicht ins Kader berufen. Für die Spiele in der Nations League gegen Portugal, Spanien und Tschechien figuriert etwa Haris Seferovic wieder im Aufgebot, Frey muss sich mit der Pikett-Liste zufriedengeben. “Leider kann ich das nicht beinflussen”, sagt Frey, “ich kann mich nur mit Leistung aufdrängen.” Und: “Vielleicht muss ich noch mehr Tore schiessen.”

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