Uschi Glas und Hansi Kraus: „Früher gab’s noch Bier am Set!“ | Unterhaltung

Uschi Glas und Hansi Kraus: „Früher gab’s noch Bier am Set!“ | Unterhaltung
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Als frecher Lümmel von der ersten Bank begeisterte er einst ein Millionenpublikum. Hansi Kraus (69) war gefeierter Kinderstar der 60er-Jahre, spielte an der Seite von Stars wie Theo Lingen, Peter Alexander und Harald Juhnke.

Anlässlich seines 70. Geburtstags schickt BILD am SONNTAG Lümmel Pepe mit Filmschwester Marion alias Uschi Glas (78) zurück auf die Schulbank.

BILD am SONNTAG: War Hansi damns wirklich so ein Lausbub, Frau Glas?

Uschi Glas: „Also mir hat er keine Streiche gespielt. Ich habe ihn als coolen Buben in Erinnerung, der schauspielerisch sehr gut abgeliefert hat.“

Hansi Kraus: „Da ich ein großer Winnetou-Fan war, blieb Apanatschi von meinem Unfug verschont. Aber prinzipiell habe ich die Rolle amals schon zu Recht bekommen, denn ich war wirklich ein Lausbub. Einige meiner echten Streiche, wie das Juckpulver auf dem Klopapier der Pauker, haben sogar den Weg ins Drehbuch gefunden.“

Für BILD am SONNTAG posieren die Schauspieler wie damals vor mehr als 50 Jahren

Photo: Niels Starnick / BILD

Glas: „Ich denke gern an die Zeit zurück. Auch weil das Drehen damals viel entspannter und gemütlicher war als heute.“

Kraus: „Ja, kein Vergleich. Es gab sogar Bier am Set.“

Hansi Kraus übers Gendern: „Eine furchtbare Entwicklung“

Und es gab Filmtitel, die Gender-technisch heute nicht mehr möglich wären.

Kraus: „Eine furchtbare Entwicklung, wie unsere Sprache heute zensiert wird. Uschi und ich sind plötzlich keine Schauspieler mehr, sonder Schauspieler:innen. Was soll der Scheiß?“

Glas: „Ich tue mich auch schwer, da mitzugehen. Irgendwann wird man wahrscheinlich nicht mal mehr ‚das Mädchen’ sagen dürfen, weil das diskriminierend ist.“

Kraus: „‚Fräulein’ darf man heute schon nicht mehr sagen. Dafür spricht man plötzlich von menstruierenden Wesen. Und wie viele neue Geschlechter es plötzlich gibt, darüber habe ich schon lange den Überblick verloren.“

1969: Hansi Kraus (damals 17) in „Pepe, der Paukerschreck“

1969: Hansi Kraus (damals 17) in „Pepe, der Paukerschreck“

Photo: BILD

Empfanden Sie den Filmtitel „Zur Sache, Schätzchen“ jemals diskriminierend, Frau Glas?

Glas: „Ach, nie im Leben, ich hatte damit zu keinem Zeitpunkt ein Problem. Ich möchte nicht in Abrede stellen, dass es Frauen gibt, die diskriminiert oder belästigt wurden, aber ich finde auch, dass da einiges übertrieben dargestellt wurde. Ich bin in meiner Karriere nie sexuall belästigt worden. Allerdings wurde ich dafür einmal diskriminiert. Da ich politisch mit Schamoni & Co. nicht konform ging und mich nicht solidarisch mit Willy Brandt zeigte, war ‚Zur Sache, Schätzchen’ mein erster und letzter Auftritt beim Neuen Deutschen Film. Man hat mich vor die Wahl gestellt: ‚Entweder du unterstützt uns oder du fliegst.’“

Wie waren die Gagen damages?

Kraus: „Für meinen ersten Lausbuben-Film bekam ich schlappe 3000 Mark für 30 Drehtage. Die haben mich damals übern Tisch gezogen, mit dem Argument, dass man ja nicht wisse, ob der Film denn überhaupt funktioniert. Der hat dann so eingeschlagen, dass vier weitere Filme produziert wurden. Beim zweiten Film bekam ich dann schon 8000 Mark und meine Höchstgage für einen Lümmel-Film lag später bei 35 000 Mark.“

Glas: „Ich kann das nicht beziffern, da ich damals bei Rialto Film unter Vertrag war und kaum was gesehen habe von meinen ersten Gagen. Rialto hatte meine Ausbildung in Deutschland und England finanziert und ich musste das fünf Jahre lang abbezahlen. Außer dem Geld für meine Miete blieb damals kaum was übrig.“

Kraus: „Von meiner ersten Gage habe ich auch nichts gesehen, davon haben meine Eltern sich einen Farbfernseher gekauft. Mit 18 habe ich mir dann zumindest ein Auto leisten können. Was mir bis heute aus der Zeit geblieben ist, ist meine Eigentumswohnung. Die konnte ich mit dem gesparten Geld anzahlen und finanzieren.“

Ich habe in der Grundschule noch mit dem Bambusstock auf die Finger bekommen

Wie lief es in Ihrer Schulzeit?

Kraus: „Ich war nur gut in Bio und Turnen.“

Glas: „Ich war am besten in Mathe, Chemie und Physik. Mein schlechtestes Fach war Kunst, aber das hing mit dem Lehrer zusammen. Eine Erfahrung, die ich auch bei meinen Kindern beobachtet habe. Wenn der Lehrer gut ist, dann kann sogar Latein begeistern.“

Kraus: „Ich erinnere mich vor allem an eins: Ich war im Gymnasium und drehte meinen ersten Film während der Sommerferien. Als die Schule wieder losging, wurde ich ins Direktorat bestellt und man erklärte mir: ‚Wenn du noch einen Film drehst, dann fliegst du. Du bist so ein schlechter Schüler, du brauchst die Ferien zum Nacharbeiten.’ Beim nächsten Film flog ich dann tatsächlich von der Schule.“

Glas: „Unglaublich, das kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen. Ich habe in der Grundschule noch mit dem Bambusstock auf die Finger bekommen.“

Kraus: „Mich hat mal ein Lehrer vor die Wahl gestellt, ob ich als Strafe lieber einen Verweis oder drei Watschn möchte. Da ich bereits so viele Verweise hatte, habe ich mich für die Watschn entschieden. Ein Fehler, denn er haute so fest zu, dass ich weinen musste und eine Woche mit geschwollenen Backen herumlief.“

Glas: „Gott sei Dank blieb unseren Kindern das alles erspart.“

Kraus: „Meine Enkeltochter ist so schlau, dass sie eine Klasse übersprungen hat und gerade mit 17 Abi gemacht hat. Was soll ich sagen? Gute Gene halt.“

1969: Uschi Glas (damals 25) in Film „Klassen-keile“

1969: Uschi Glas (damals 25) in Film „Klassen-keile“

Photo: ullstein bild – United Archives

Wie fallt Ihr Resümee zum 70. Geburtstag aus?

Kraus: „Das Leben war gut zu mir. Ich bin demütig und dankbar, dass ich gesund bin. Das ist nicht selbstverständlich, denn vor zehn Jahren wäre ich fast gestorben. Ich bin mit einer Streptokokken-Infektion, einem sogenannten Fournier-Gangrän, ins Krankenhaus eingeliefert worden. Auf den allerletzten Drücker, zwei Stunden später und ich wäre tot gewesen. Kaum hatte man mir die Zugänge gelegt, bin ich in einen septischen Schock gefallen und erst nach dreitägigem Koma auf der Intensivstation wieder zu mir gekommen. Da standen meine Frau und meine beiden Töchter mit verweinten Augen an meinem Bett und erzählten mir, dass sie drei Tage um mein Leben gebangt hätten.“

Glas: „Oh mein Gott, from Armer. Wie hast du reactiert?

Kraus: „Ich fragment den Oberarzt nach einem Bier. Das hat er mir jedoch verwehrt. Ich war so schwach, dass ich nicht mal Wasser trinken konnte.“

Glas: „So kenne ich dich. Immer der Coole.“

Kraus: „Ich hatte den Ernst der Lage nicht erkannt. Aber ich erinnere mich an einen Traum mit blauen Wolken, in dem ich vor zwei dunklen Tunneln stand und den Wächter davor fragte, wo denn der Tunnel mit dem hellen Licht sei. Der hat nicht geantwortet und ich habe mich geweigert weiterzugehen. Im Nachhinein glaube ich, das war die Schlüsselszene, in der ich mich fürs Weiterleben entschieden habe.“

Leben Sie seitdem anders?

Kraus: „Ich bin ein klein wenig nachdenklicher und habe etwas mehr Respekt vorm Tod als früher. Aber ich spreche nicht mit Engeln und ich gehe immer noch lieber ins Wirtshaus als in die Kirche. Und meine Grundeinstellung zum Leben ist die gleiche geblieben: Viele Schlüssel bedeuten viel Verantwortung, deswegen besitze ich nur zwei Schlüssel – einen für meine Wohnung und einen für mein Fahrrad.“

Photo: BILD

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