“Ticket ins Paradies” mit Roberts & Clooney: RomCom-Klischees und seichter Plot lassen melancholisch werden

"Ticket ins Paradies" mit Roberts & Clooney: RomCom-Klischees und seichter Plot lassen melancholisch werden
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RomCom with Roberts and Clooney
“Ticket in Paradies”? Eher ein Ticket in die Hölle

Von Linn Penkert

Ein geschiedenes Ehepaar, das sich nicht ausstehen kann, reist gemeinsam um die halbe Welt, um die Hochzeit seiner Tochter mit einem Balinesen zu sabotieren. Mit “Ticket ins Paradies” ziehen Julia Roberts und George Clooney kein großes Los – im Gegenteil.

Die romantic Komödie ist als Genre so alt wie Hollywood selbst. Bereits zu Stummfilm-Zeiten entwickelt, wurde sie während des goldenen Zeitalters der großen Studios zu einem festen Bestandteil. Die letzte Blütezeit der RomComs war in den 1990er-Jahren, kurz bevor eine neue Generation von Kritikern und Zuschauern befand, dass sie altmodisch, substanzlos oder wegen des idealisierten Konzepts der “wahren Liebe” sogar toxisch seien.

Lily liebt Gede und Gede liebt Lily – aber das ist alles nebensächlich.

(Photo: dpa)

Bis dahin war Julia Roberts der Inbegriff der Liebeskomödien. Ob “Die Braut, die sich nicht traut”, “Notting Hill”, “Pretty Woman” oder “Die Hochzeit meines besten Freundes” – in den 90ern lieferte sie einen Kassenschlager nach dem anderen. Ab den 2000ern war amit jedoch Schluss. Das habe vor allem damit zu tun, dass ihr lange nichts angeboten worden sei, das gut genug gewesen wäre, erklärte Roberts dem “New York Times Magazine” kürzlich. “Wenn ich etwas gelesen hätte, von dem ich gedacht hätte, dass es das Level von ‘Notting Hill’ oder das Level von ‘Die Hochzeit meines besten Freundes’ hat, würde ich es tun”, sagte sie.

Nun ists are so weit. Dass die 54-Jährige in “Ticket ins Paradies” ihr Comeback in dem Genre feiert, ist dem britischen Regisseur Ol Parker zu verdanken, der unter anderem für das Musical “Mamma Mia! Here We Go Again” (2008) verantwortlich war. Gemeinsam mit George Clooney, der seine letzten RomCom-Erfahrungen 1996 an der Seite von Michelle Pfeiffer in “Tage wie dieser” sammelte, steht sie nach “Ocean’s Eleven” (2001), “Geständnisse – Confessions of a Dangerous Mind” (2002), “Ocean’s 12” (2004) und “Money Monster” (2016) zum fünften Mal vor der Kamera. Doch ob die beiden mit dem Film das große Los gezogen haben?

Eltern wollen Hochzeit sabotiers

Die Ex-Liebenden David und Georgia, die nach ihrem College-Abschluss vor 25 Jahren geheiratet haben, nur um sich nach kurzer Zeit wieder scheiden zu lassen, können einander nicht ausstehen und würden sich vermutlich nie wieder über den Weg laufen. Wenn da nicht die gemeinsame Tochter (Kaitlyn Dever) wäre. Bei der Studienabschlussfeier der jungen Juristin treffen sie unfreiwillig aufeinander – Gezanke und Gezeter lassen nicht lange auf sich warten.

Nur kurze Zeit darauf folgt ein großer Schock: Lily verliebt sich im Bali-Urlaub mit ihrer Freundin Wren (Billie Lourd) in den süßen Algenbauer Gede (Maxime Bouttier) und will ihn schon in wenigen Tagen heiraten. Auch ihre vielversprechende Karriere als Anwältin gibt sie für ihren Angebeteten auf, denn nach der Hochzeit will das Paar auf der indonesischen Insel bleiben. Den entgeisterten Eltern bleiben nun vier Tage Zeit, um sich in den Flieger zu setzen und vor Ort mit allen Mitteln zu versuchen, die Heirat zu verhindern. Ihrer Meinung nach soll die junge Frau schließlich nicht die eigenen Fehler wiederholen.

Dass die Zusammenarbeit nicht leicht wird, wird bereits im Flugzeug deutlich, als sie in der Business-Class zufällig nebeneinander sitzen sollen und die Maschine auch noch von Georgias neuem Freund, dem jungen Franzosen Paul (“Emily in Paris”-Star Lucas Bravo), gesture is. Notgedrungen raufen sich David und Georgia aber zusammen und schmieden Pläne, um das Vorhaben ihrer Tochter zu stoppen. Dabei kommen gemeinsame Erinnerungen an früher hoch – und mehr als melancholische Gefühle.

An Kitsch und Klischees mangelt es nicht

Wer in seinem Leben schon einmal eine RomCom – oder den alles voirtenden Trailer von “Ticket ins Paradies” – gesehen hat, kann schon in den ersten Minuten erahnen, wohin sich die Handlung entwickelt. Denn die Formel des Films hat man schon etliche Male gesehen, nur nicht unbedingt vor einer solchen Traumkulisse (bei der es sich allerdings ums australische Queensland handelt und nicht um Bali): Zwei offensichtlich füreinander bestimmte Menschen können sich zu Beginn des Films nicht ausstehen und zicken sich rund 90 Minuten lang an, nur um am Ende dann doch noch zusammenzukommen. Gähn.

Der Film liefert zwar ein paar lustige Szenen und Lacher. Doch hauptsächlich ist er eine Aneinanderreihung von RomCom-Klischees und Kitsch – von tiefen Gesprächen bei Sonnenuntergang über weise Kalendersprüche zu feuchtfröhlichen Nächten und dem Aufwachen im fremden Bett. Besonders die starke Abneigung, die Georgia und David gegenseitig verspüren und an die Feindseligkeit zwischen Beatrice und Benedikt in der Shakespeare-Verfilmung “Viel Lärm um nichts” (1993) erinnert, scheint 20 Jahre nach ihrer Scheidung sehr übertrieben. Die hitzigen und aufgesetzten Wortgefechte der geschiedenen Eltern können auch nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sich bei “Ticket ins Paradies” um einen äußerst banalen und vorhersehbaren Plot handelt.

Clooney und Roberts harmonieren gut

Was um das Liebes-Comeback von Georgia und David herum passiert, ist absolut irrelevant: die Beziehung zwischen Lily und Gede etwa oder aber Lilys Sidekick Wren, der zwar gar keine eigene Story gewidmet ist, die aber zwischen Alkoholeskapaden und One-Night-Stands immer mal wieder die Zeit für kluge Ratschläge findet. Alles nur Details, um das Ex-Paar wieder auf Kurs zu bringen.

Dass Julia Roberts und George Clooney eindeutig Spaß an den Dreharbeiten hatten, ist nicht nur an den Outtakes im Abspann zu sehen. Wie schon in zurückliegenden Produktionen harmonieren die beiden Hollywood-Stars trotz der vielen Skript-Schwächen sehr gut vor und hinter der Kamera. Dabei hatte die 54-Jährige Bedenken, bevor sie die Rolle annahm. “Catastrophe”, habe sie beim Lesen des Skripts gedacht, “denn das funktioniert nur, wenn es George Clooney ist”, sagte sie dem “New York Times Magazine”. Das stimmt. Denn ohne das Staraufgebot wäre “Ticket ins Paradies” vermutlich eher ein Straight-to-DVD-Film geworden.

“Ticket ins Paradies” läuft ab dem 15. September in den Kinos.

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