Tarantino-Liebling Christoph Waltz spielt nach Django Unchained wieder Kopfgeldjäger und die beste Nachricht ist: Der Film ist toll

Dead for a Dollar
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King Schultz aus Django Unchained hat viel geredet, wenn der Tag lang war und mindestens ebenso viele Kugeln in seiner Gegner versenkt. Die Rolle des teutonischen Doktors aus der Feder von Quentin Tarantino verschaffte Christoph Waltz seinen zweiten Oscar. In Dead for a Dollar spielt er wieder einen Kopfgeldjäger, der eine Frau befreien muss. Klingt wie Django Unchained 2.0. Aber das ist Dead for a Dollar definitiv nicht.

Der Western, der bei den Filmfestspielen von Venedig läuft, unterhält trotzdem mit Wortwitz, Kugelhagel und einem Duell von Waltz und Willem Dafoe. Ja, genau, ihr habt richtig gelesen: Christoph Waltz und Willem “der grüne Kobold” Dafoe in einem Western-Duell. Venedig macht Träume wahr!

Christoph Waltz’ neuster Kopfgeldjäger hat mit King Schultz wenig gemeinsam

Waltz’ Held unterscheidet sich stark von Schultz aus Django Unchained. Also abgesehen vom Beruf. Diesmal spielt er Max Borland, Kopfgeldjäger und Einzelgänger. Er ist ein Typ, der sich beim Reden aufs Wesentlichste beschränkt. Waltz spielt ihn, anders als den King, als einziges Understatement, weshalb man ihn lange nicht so richtig einschätzen kann. Das ist ein feiner Kontrast zu seinen Tarantino-Rollen. Wo Schultz weit ausholt, kommt Borland auf den Punkt – wenn es sein muss mit einer Kugel aus seinem Revolver. Mit Max Borland anstelle von King Schultz hätte Django Unchained nur 90 Minuten gedauert.

Was nicht als Kritik an Tarantinos ausschweifenden Dialogen gemeint ist. Regisseur und Co-Author Walter Hill (Last Man Standing) hat auf sowas einfach keinen Bock.

Schaut euch den Trailer für Dead for a Dollar:

Dead for a Dollar – Trailer HD

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Max Borland muss die entführte Frau eines Geschäftsmannes befreien. An seiner Seite reitet der afroamerikanische Soldat Poe (Warren Burke), der mit dem Entführer befreundet ist. Als beide die Betroffene Rachel Kidd (Rachel Brosnahan) in Mexiko aufstöbern, stehen sie allerdings vor einem Problem. Rachel will nicht zurück zu ihrem Ehemann (Hamish Linklater). Außerdem mischen Willem Dafoe als Räuber Joe Cribbins und Benjamin Bratt als Bandenführer Tiberio Vargas mit. Irgendwann fliegen Kugeln. The End.

Die Einfachheit hat Methode im Western Dead for a Dollar

Hills Neuster Film bewegt sich in der Tradition von knackigen B-Western aus den 50ern, mit einem kleinen Italo-Einschlag. Regisseure wie Budd Boetticher (dem dieser Film gewidmet ist) und André De Toth (The Stranger Wore a Gun) schickten karge Helden auf schnörkellos inszenierte Abenteuer, deren Storys noch für Servietten zu knapp bemessen waren.

Diese Filme waren betont einfach im Vergleich zu kostspieligen Western-Epen wie Der schwarze Falke oder sozialkritischen Stücken wie Zwölf Uhr mittags. Durch ihre kleinen Budgets und begrenzten Räume legten sie den Blick frei auf basale menschliche Geschichten über Einsamkeit, Gewalt und das Überleben der Moral in einer unmoralischen Welt.

Dead for a Dollar

Dead for a Dollar schlägt in diese Kerbe mit einer sparsam erzählten Geschichte über Männer und Frauen, die vom amerikanischen Westen gehärtet wurden. Christoph Waltz’ Max Borland gehört dazu ebenso wie Rachel Brosnahans nicht wirklich entführte Ehefrau.

Wer Brosnahan nur aus The Marvelous Mrs. Maisel bei Amazon kennt, wird in Dead for a Dollar eine ungeahnte stählerne Seite an ihr entdecken. Und sehen, wie sie Leute abknallt. Ihre Rachel wurde vom Traum des Westens enttäuscht, aber leben muss sie trotzdem in dieser Welt. Anpassen und im Unglück sterben lautet die Devise für die Figuren, was die einen nach Mexiko treibt, die anderen in ein gewalttätiges Leben als Kopfgeldjäger ohne Heim. Helden gibt es keine, nur Menschen, die noch ein funktionierendes Gewissen besitzen oder solche, die es zugunsten des Profits aufgegeben haben.

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Dead for a Dollar greift ähnliche Themen wie Django Unchained auf, aber verarbeitet sie ganz anders

In gewisser Weise verhält sich Dead for a Dollar zu Django Unchained wie damals die B-Western zu den Filmen von John Ford und John Wayne. Tarantino spielt mit dem Genre, versetzt es in die Südstaaten und verwandelt es in eine Rachefantasie gegen Sklaventreiber Leonardo DiCaprio. Ausgestattet wird das mit barocken Dialogen, extrem komplexen Set-Pieces, in denen alle Beteiligten ein doppeltes Spiel spielen, und Fontänen von Kunstblut.

Dead for a Dollar

Walter Hill dagegen führt den Western in Dead for a Dollar auf seine Grundbausteine ​​zurück (ein Mann, ein Pferd und ein Duell) und streift mit funktionalen Dialogen große Themen wie Rassismus, Korruption und amerikanische Expansionssucht. Nur lässt er es nie so aussehen, als wären das “große” Themen. Django ist eine Gewaltoper, Dead for a Dollar eine unsentimentale Ballade über Leben und Sterben im Staub der neuen Welt.

Manchmal sieht man Dead for a Dollar das schmale Budget und die kurze Drehzeit an. Das stört aber nicht weiter. Wenn es hart auf hart kommt, also wenn Christoph Waltz mit einer Winchester gegen eine Meute Banditen vorgeht oder ein Mexican-Standoff im Blutbad endet, dann liefert Walter Hill ab.

Das Duell von Christoph Waltz und Willem Dafoe? Das trifft ganz unerwartet ins Herz. Und damit ist keine Kugel gemeint. Also nicht nur.

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