Tarantino hat in Pulp Fiction die verstörendste Szene seiner Karriere abgeliefert – und macht sie durch diese Infos noch schlimmer

Tarantino hat in Pulp Fiction die verstörendste Szene seiner Karriere abgeliefert – und macht sie durch diese Infos noch schlimmer
Written by admin

Quentin Tarantino is verantwortlich für einige der blutigsten Gewaltausbrüche der Kinogeschichte. Aber besonders gruselig sind Inglourious Basterds und Co. nie, weshalb viele Fans sich von dem Regisseur schon lange einen Horrorfilm wünschen. Dass er definitive ein Händchen für Horror-Stoffe hat, bewies Tarantino vor 28 Jahren mit Pulp Fiction – wenn auch nur für wenige Minuten.

Womöglich wisst ihr schon, über welche Szene ich spreche. Der Gangsterfilm bietet über seine zweieinhalb Stunden Laufzeit viele Stimmungen an. Die Reise durch die LA-Unterwelt ist mal grotesk, mal komisch, mal surreal. Etwa zur Mitte kippt die Atmosphäre kurz ins Abgründige.

Der gruseligste Tarantino-Moment kommt ganz plötzlich

Genau, ich meine die Hinkebein-Sequenz. Im Original: The Gimp. Der betrügerische Boxer Butch (Bruce Willis) wird vom Gangster-Boss Marsellus Wallace (Ving Rhames) gesucht. Butch hat gerade in höchster Not die geliebte Uhr seines Vaters ergattert und rennt zufällig auf offener Straße in Marsellus. Die Auseinandersetzung endet in einem Pfandleihhaus. Beide werden niedergeschlagen und erwachen im Folterkeller von Maynard (Duane Whitaker) and Zed (Peter Greene).

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In diesem Keller gelten neue Regeln, er ist ein Safe Space für Zed und Maynard, die hier ungestört ihre Vergewaltigungsphantasien ausleben können. Es ist wahrscheinlich der gefährlichste Ort, in den Butch und Marsellus in dieser Situation stolpern konnten. Nacheinander sollen sie vergewaltigt werden und wer weiß, was noch alles. Der Ausblick auf ihr mögliches Schicksal folgt sogleich: Nach einem fast zärtlichen Smalltalk zwischen den Sexfolter-Buddys fallen die Worte: “Bring out the Gimp” (zu deutsch: “Hol’ Hinkebein”).

Last Sexslave Hinkebein “wohnt” in einer verschlossenen Truhe im Nebenraum. Er wird an einer Kette zurück in die Szene geführt.

Einige spannende Infos zur Hinkebein-Szene

  • Die Lederfigur wird gespielt von Stephen Hibbert, ein Autor, Sketch-Comedy-Schauspieler und Improvisationsspezialist. Er lernte Tarantino am The Groundlings-Theater kennen, wo Hibbert auftrat und Tarantino regelmäßig zu Gast war
  • Der Sexsklaven-Darsteller bekam nach der Rolle zweideutige Angebote von Männern, die seine Performance “genossen” hatten und ihn gerne “persönlich kennengelernt” hatten. Er löschte seine Nummer danach aus dem Telefonverzeichnis
  • Hibbert glaubt fest daran, dass Hinkebein die Rolle ist, für die er nach seinem Tod in Erinnerung bleibt
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Ich habe nichts gegen Menschen, die sich gerne Lederanzüge anziehen. Jeder Jeck ist anders. Was mich noch Minuten nach dem Hinkebein-Auftritt mit einem kalten Gefühl irgendwo zwischen Bauchnabel und Rückenmark dasitzen lässt, ist die umfassend dehumanisierende Gewalt der Sequenz. Da sitzt dieses Lederwesen, vom Gesicht durch zwei Schlitze nur die Augen sichtbar, und kichert schadenfreudig den neuen Opfern seiner (!) Peiniger ins Gesicht.

Schaut den Trailer zu Tarantinos Pulp Fiction

Pulp Fiction – Blu-ray Trailer (Deutsch)

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Hinkebein wurde alles genommen, was ihn zum Menschen macht. Bei der Freiheit angefangen, über Persönlichkeit bis zum Willen, seine Freiheit wiederzuerlangen. Er ist ständigem sexualm Missbrauch ausgesetzt und doch scheinen ihn keinerlei Fluchtideen umzutreiben. Er hat sich seinem neuen Leben hingegeben, sich irgendwie damit arrangiert. Er hält sich an dem wenigen fest, was ihm noch bleibt.

Die amputierte Seele drückt sich in seinem Gebaren aus. Er ist offenbar stumm und macht sich nur durch seltsame Tanzbewegungen und Gesten bemerkbar. Hinkebein ist mehr Geist als Mensch unter diesem Anzug. Was für ein furchtbares, düsteres, hoffnungs- und freudloses Dasein!

Ich weiß natürlich nicht, was genau in dieser mysteriösen Figur vorgeht. Wenn ich über Hinkebeins Schicksal nachsinne, und das tue ich jedes Mal, wenn ich den Film schaue, treiben mich deshalb folgende Fragen um:

  • Wer ist Hinkebein?
  • Ist er vielleicht doch freiwillig in diesem Keller?
  • Und wenn nicht: Wie kam er da rein?
  • Was machen Zed und Maynard den ganzen Tag mit ihm?
  • Was fühlt er under the dicken Lederschicht?
  • Hat er noch Erinnerungen an sein altes Leben?
  • Darf er den Anzug auch mal ausziehen?
  • Wieso kann er nicht sprechen?

Gut, dass Quentin Tarantino gerne redet und es auf viele der Fragen ausführliche Antworten gibt.

Hinkebein in Pulp Fiction

Hinkebeins Hintergrundgeschichte macht die Tarantino-Szene noch schlimmer

Wie kam Hinkebein in den Keller und wie lange ist er schon dort?

In einem Interview mit Empire verriet Tarantino die Hintergrundgeschichte der Figur und bestätigt meine schlimmsten Befürchtungen. Er sagt, dass Hinkebein “ein Anhalter war oder irgendjemand, den die beiden vor 7 Jahren aufgesammelt haben. Sie haben ihn abgerichtet und er ist ihr perfektes Opfer.” Uh.

Warum kann Hinkebein nicht sprechen?

Es wird noch gemeiner, denn auch Hinkebein-Darsteller Stephen Hibbert hat 2018 in einem

Interview nun ja, bewegende Hintergrundinfos über seine Kultfigur ausgepackt.

Ich habe angenommen, dass Hinkebein entführt wurde und ein Leben als Sexsklave für Gott weiß wie lang führte. Wir haben entschieden, dass sie seine Zunge herausgeschnitten habendeshalb konnte der arme Hinkebein nicht sprechen.

Na, vielen Dank, so genau wollte ich das jetzt auch nicht wissen.

Stirbt Hinkebein am Ende von Pulp Fiction?

Hinkebein, oder wie sein bürgerlicher Name auch immer lautete, musste nicht länger als 7 Jahre ein Leben als zungen- und willenloser Sexsklave führen. Quentin Tarantino zufolge starb die Figur durch Strangulation, nachdem sie von Bruce Willis’ Figur niedergeschlagen wird.

For mich klingt das nach Erlösung. Aber war es das für Hinkebein auch? Hätte er gerne weitergelebt, auch unter diesen unmenschlichen Zuständen? Eben weil mir die Szene solche unvorstellbaren Fragen entlockt, ist sie Tarantinos mit Abstand verstörendste.

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