Sinisha Lüscher: Der kräftigste KV-Lernende der Schweiz will Schwingerkönig werden

Sinisha Lüscher: Der kräftigste KV-Lernende der Schweiz will Schwingerkönig werden
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Sinisha LuscherDer kräftigste KV-Lernende der Schweiz will Schwingerkönig werden

Der Aargauer Sinisha Lüscher gehört zu den grössten Schweizer Nachwuchshoffnungen im Schwingen. Der 16-Jährige würde gerne am Eidgenössischen erste Erfahrungen sammeln.

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Der Aargauer Sinisha Lüscher gehört zu den grössten Schweizer Schwingtalenten.

20min/Anna Bila

Der 16-Jährige hat sich bereits einen Kranz sichern können.

Der 16-Jährige hat sich bereits einen Kranz sichern können.

20min/Anna Bila

Nun hofft der KV-Lehrling auf eine Teilnahme am ESAF Ende August.

Nun hofft der KV-Lehrling auf eine Teilnahme am ESAF Ende August.

20min/Anna Bila

  • Sinisha Lüscher gehört mit 16 Jahren zu den grössten Schweizer Schwinghoffnungen.

  • Der Aargauer würde gerne am ESAF erste Erfahrungen sammeln.

  • Rassismus im Sägemehlring erfuhr Lüscher vor allem früher, nun passiere es mehr hintenherum.

Erst gerade am 2. August hat er seine KV-Lehre bei der Raiffeisenbank Region Zofingen begonnen. Und er sagt, mit den Menschen habe er es noch besser als mit den Zahlen. Der Nachwuchsschwinger Sinisha Lüscher ist ein offener Mensch und mag es, anderen etwas zu erklären. Das wird er nun nicht nur in seinem Beruf tun, das tut der 1,76 cm grosse und 104 kg schwere Athlet bereits im Schwingclub Olten-Gösgen.

Zwar ist Lüscher erst 16, aber er trainiert bereits selber die ganz Jungen. Er zeigt ihnen im Schwingkeller in Olten, wie sie ihre Schwünge anzusetzen haben. Dabei ist Lüscher selber ein Rohdiamant, der sein ganzes Potenzial noch nicht ausgeschöpft hat. Heuer gewann er seinen ersten Kranz, am Basellandschaftlichen. Für ihn selber sei das noch nicht der Durchbruch, er habe seinen ersten Kranz ja noch nicht bestätigen können, sagt er selber.

Aber er weiss, dass er in einen erlauchten Kreis aufgestiegen ist und sich damit auch die Chance gewahrt hat, Ende August am Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest (ESAF) in Pratteln teilzunehmen. Lüscher sagt zu seinem ersten Kranzgewinn: “Einige versuchen das über Jahre und mir gelingt das gleich bei meinem ersten Kranzschwingfest, das ist schon sehr cool.”

Es gab öfter ein “Angst-Bisi”

Lüscher, der bekannt ist für seine angriffige Schwingweise, beweist mittlerweile Nervenstärke – das war nicht immer so. Es habe Zeiten gegeben, da sei er sehr nervös gewesen, “ich war am Zittern, musste noch ein ‹Angst-Bisi› machen. Meine Mutter musste mich jeweils beruhigen”, erzählt der beste Jungschwinger des vergangenen Jahres. Der Sohn einer Schweizerin und eines Ghanaers kam auch dank der Mutter zum Schwingen. Sie habe ihn mit elf einmal ins Training zum Schwingclub Olten-Gösgen gebracht, weil da auch schon andere Familienmitglieder geschwungen hätten.

“Das erste Mal hat es mir nicht so gefallen, als ich im Sägemehl stand. Nach dem ersten Training sagte ich aber, ich möchte es noch einmal probieren”, erinnert sich Lüscher. Er und einige gleichaltrige Kollegen begannen zusammen und die meisten sind immer noch da. Er startete in Olten mit dem Schwingen, obwohl er im Aargau aufwuchs und auch heute noch da lebt. “Ich begann in Olten und bin hier geblieben – auch wenn andere Clubs näher gewesen wären.”

Er möchte “eine andere Farbe hineinbringen”

Lüscher fasziniert am Schwingen das Mann gegen Mann, dass er sich jeweils immer noch verbessern könne, da seine Gegner ja immer wieder andere seien. “Dann muss ich auch anders ziehen, das fasziniert mich. Ich will immer besser und starker werden. Ich will irgendeinmal an der Spitze stehen.” Ja, sein Ziel ist es, irgendeinmal der erste schwarze Schwingerkönig zu werden. “Das würde andere Farbe hineinbringen”, sagt er und lacht.

Doch wegen seiner anderen Hautfarbe hatte er nicht immer etwas zu lachen. Er und ein Kollege mit ausländischen Wurzeln haben Rassismus im Schwingen erfahren. “Das ist Sch*****. Das mit dem Rassismus hat sich in letzter Zeit gebessert, es ist nun nicht mehr direkt, sondern hintenrum, versteckt. Da hört man das noch. Früher bekam ich das aber direkt in der Dusche zu hören oder in der Garderobe.” Er habe sich dann mit seiner Mutter und seinem Bruder, der Fussball spiele und ähnliche Erfahrungen gemacht habe, unterhalten. “Ich versuchte ruhig zu bleiben und habe immer weitertrainiert, um es ihnen so zu zeigen.”

Er als Schwingerkönig könnte dazu beitragen, dass den Älteren und den Jüngeren klar würde, dass Schwingen etwas für alle sei, auch für solche mit anderen Wurzeln. Lüscher versteht es nicht, weshalb man «heute noch über diesen Quatsch sprechen muss, das ist Sch*****. Man bringt es nicht weg, wenn einem das die Eltern beibringen. Man darf es einfach der nächsten Generation nicht mehr mitgeben. Bei den Kleinen, die ich trainiere, ist meine Hautfarbe kein Thema, für die ist es ganz normal.”

Der Beruf hat erste Priorität

Lüschers Vorbild im Schwingen ist sein Nordwestschweizer Kollege Nick Alpiger. Der Aargauer kam gerade gross raus, als Lüscher mit dem Schwingen begann. Aber auch Samuel Giger – Lüscher sieht ihn als Topfavorit auf den Königstitel – gehört zu seinen Idolen, so wie er schwinge und ziehe. Der Solothurner Schwinger Lüscher wäre hingegen schon nur glücklich darüber, am ESAF (vom 26. bis 28. August live bei uns im Ticker) dabei zu sein, das würde ihm viel bedeuten. Ein Kranz wäre nicht sein primäres Ziel, sonder mal ESAF-Luft zu schnuppern, “mal schauen, wie das so ist, mit den ‹Grossen› zu schwingen, das ist anders als mit den Jungen. Mein Ziel wäre es, acht Gänge zu machen, aber auch das ist schwierig. Und ich möchte verletzungsfrei wieder heimkommen, wenn ich denn hingehen darf.”

Zuerst macht er sich aber noch etwas Sorgen, dass er seinen Beruf und das Schwingen unter einen Hut bringt. Er habe viel darüber nachgedacht. Nach dem Start seiner Lehre wolle er auf seine Ausbilderin zugehen. “Ich will zuerst in der Lehre klarkommen, das ist mir wichtig, ich kann nicht für immer schwingen. Und es ist halt kein Profisport”, sagt er ganz abgeklärt. Lüscher bewahrt mit seinen 16 Jahren nicht nur im Sägemehlring einen kühlen Kopf, er tut das auch nebenan.

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