Schweizer Kinos leiden unter dem Tiktok-Trend «Gentleminions»

Schweizer Kinos leiden unter dem Tiktok-Trend «Gentleminions»
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Der Tiktok-Hype #Gentleminions bewegt scharenweise Anzug tragende Teenager dazu, Vorstellungen des aktuellen «Minions»-Filmes zu stören. Auch Schweizer Kinos sind betroffen.

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Seit dem 30. Juni läuft der Film “Minions – Auf der Suche nach dem Mini-Boss” in den Kinos.

DUKAS

Seither geht auf Tiktok ein Trend viral, der Jugendliche bei Kinovorstellungen in Anzügen zeigt.

Seither geht auf Tiktok ein Trend viral, der Jugendliche bei Kinovorstellungen in Anzügen zeigt.

tiktok/mitchtidy

Die Teenies bezeichnen sich dabei selbst als “Gentleminions”.

Die Teenies bezeichnen sich dabei selbst als “Gentleminions”.

tiktok/bill.hirst

Statt Familienspass beschert der Animations-Film «Minions – Auf der Suche nach dem Mini-Boss» vielen Eltern mit ihren Kindern Schreckmomente. Grund dafür ist ein neuer Tiktok-Trend. Unter dem Hashtag #Gentleminions finden sich gerade Tausende Beiträge von – meist männlichen – Jugendlichen Gruppen, die die Kino-Vorstellungen besuchen. Das Besondere: Sie tragen Anzug und Sonnenbrille, hie und da eine Banane in der Brusttasche und filmen sich bei störendem Verhalten im Saal.

Bislang sorgten vor allem Vorfälle in Grossbritannien für Kopfschütteln. Nun leiden inzwischen auch Schweizer Kinobetreiber unter dem Hype: “Ja, auch in unseren Kinos kam es in den letzten Tagen leider vereinzelt zu solchen Aktionen”, bestätigt Olivia Willi, Pressesprecherin der Blue Cinemas. “Die Jugendlichen in Anzügen klatschen, stören die anderen Besucherinnen und Besucher und lassen den Saal nach der Vorführung stark verschmutzt zurück.” Ähnlich sieht es in Sälen der Arena Cinemas aus: “Wir hatten in den letzten Tagen mehrfach Jugendliche in Anzügen im Haus. Diese sind vor allem durch lautes Geklatsche aufgefallen”, sagt eine Mitarbeiterin zu 20 Minuten.

“Wir haben nur vor und nach dem Film geklatscht”

Doch weshalb machen Jugendliche diesen Trend mit? “Es gab lange keine vergleichbare Bewegung. Es ist cool zu sehen, wie sich so was entwickelt – vor allem, wenn man selbst mitmacht”, verrät Tiktoker Marko. Er und 13 seiner Freunde haben sich ebenfalls in Schale geworfen und eine “Minions”-Vorstellung im Baselbiet besucht und dazu einen Clip gedreht. Für den 17-Jährigen seien solche Videos und Erlebnisse Erinnerungen für die Ewigkeit.

Aufgekommen sei der Hype mit dem Kinostart und dem passenden Song “Rich Minion” von Rapper Yeat. Dass andere Creators über die Stränge schlagen, findet diese Crew allerdings verwerflich: “Besucherinnen und Besucher bezahlen dafür, um ungestört den Film zu sehen. Sich danebenzubenehmen oder den Saal zu verwüsten, ist inakzeptabel”, meint Marko und grenzt sich ab: “Wir haben nur vor und nach dem Film geklatscht – das ist das Einzige, was andere hätte stören können.”

Das sagen Expertinnen und Experten

Einen klar ersichtlichen Grund, weshalb die Teenager genau auf diesen Trend aufspringen, gibt es nicht. Doch die Soziologin Katja Rost von der Universität Zürich hat eine mögliche Antwort: “Die Jugendlichen könnten wohl nach einer Herausforderung suchen und sich beweisen wollen. Das ist nichts Neues. Was früher in kleinerem Rahmen auf dem Schulhof geschah, hat sich nun auf Social Media verlegt.” Es gäbe verschiedene Deutungsmuster, die aufzeigen, weshalb sie dies in Anzügen machen. Diese “Kostümierung” könnte bewusst die Spiessigkeit der Eltern symbolisieren, ebenso Kapitalismuskritik verkörpern, eine Kontroverse zum leger gekleideten Publikum schaffen oder einfach für Aufmerksamkeit sorgen. “Die Uniformen sorgen bei den Jugendlichen für ein Gemeinschaftsgefühl und Sicherheit, was sie in ihren Vorhaben bestärken kann”, ergänzt der Kinder- und Jugendpsychologe Philipp Ramming von der Schweizerischen Vereinigung für Kinder- und Jugendpsychologie (SKJP).

Doch Angst vor einem Besuch im Kino sei fehl am Platz. “Der Trend ist so schnell gekommen und wird mindestens so schnell wieder verschwinden”, ist sich Rost sicher. Die Gesellschaft müsse noch lernen, mit der Geschwindigkeit von Neuerungen umzugehen und nicht direkt in eine Hysterie zu verfallen. Auch der ehemalige Präsident der SKJP gibt Entwarnung: “Sollte es in einer Filmvorführung laut werden, ist es wichtig, dass Eltern die Situation auffangen, darüber sprechen und wo nötig auch trösten und Sicherheit bieten.” Bleibende Schäden bei Kleinkindern seien durch die Situation eher unwahrscheinlich.

So gehen Schweizer Kinos mit dem Trend um

Während britische Kinos auf ein Anzugsverbot setzten oder teilweise wegen zu vieler Rückerstattungen den Film aus dem Programm nehmen mussten, zeigen sich hiesige Betreiberinnen und Betreiber noch entspannter: “Kostümierte Fans sind bei uns immer herzlich willkommen – egal, ob für Starer Wars Die Minions. Dass dabei aber stets die anderen Kundinnen und Kunden respektiert und die geltenden Hausregeln eingehalten werden müssen, ist für uns eine Selbstverständlichkeit”, heisst es bei Pathé. Auch bei den Arena Cinemas gibt es bislang keine Einschränkungen. Blue hingegen wolle sich vorbehalten, bei auffälligen Besuchergruppen Ausweis-Kontrollen durchzuführen.

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