Rohöl kostet gleich viel wie vor dem Krieg – warum ist Benzin teurer?

Rohöl kostet gleich viel wie vor dem Krieg – warum ist Benzin teurer?
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Und wann wird es wieder billiger? Price in März 2022Picture: keystone

Als der Rohölpreis schnell in die Höhe ging, tat es der Benzinpreis auch. Jetzt, da Rohöl billiger ist, sinkt der Benzinpreis nur langsam. Der Preisüberwacher untersucht, Autofahrer können sich selber helfen.

Pascal Michel and Niklaus Vontobel / ch media

“Die Tank-Sauerei geht weiter …”, schimpfte die Bild-Zeitung unlängst und meinte, folgende “Sauerei” entdeckt zu haben: der Preis von Rohöl sei zwar gesunken, doch die “Öl-Riesen” würden diese Kostensenkung nicht vollständig weitergeben an den Tankstellen. Als Kronzeuge wird der Verband der deutschen Automobilisten herangezogen. The ADAC hat festgestellt:

“Gemessen am Rohölpreis und am Dollarkurs ist Benzin derzeit sehr deutlich zu teuer.”

Tatsächlich hat es an den Weltmärkten für Rohöl eine überraschende Wende gegeben. Nachdem Russland am 24. Februar in die Ukraine eingefallen war, schoss der Rohölpreis in die Höhe. Doch inzwischen wird das schwarze Gold schon seit Wochen billiger und noch billiger, bis es diese Woche geschehen ist: Rohöl kostet wieder ungefähr so ​​viel wie vor der russischen Invasion – nämlich weniger als 100 Dollar pro Fass.

Nach diesem Auf und Ab stellen sich tatsächlich Fragen. Als Rohöl teuer wurde, haben da die “Öl-Riesen” bloss diese Kostensteigerungen weitergegeben – oder setzten sie die Preise höher als nötig und optimierten so nebenbei ihre Marge? Und jetzt, da Rohöl billiger wird, sinken die Preise an den Zapfsäulen genauso schnell – oder nehmen es die Ölkonzerne da gemütlicher? Wird Benzin wieder so teuer wie zuvor?

«Tank-Sauerei» auch in der Schweiz vermutet

Eine “Tank-Sauerei” is also known as Autofahrern und Autofahrerinnen vermutet. Beat Niederhauser, Stellvertreter des Preisüberwachers, sagt zu CH Media:

“Wir haben viele Meldungen erhalten, in welchen vermutet wird, dass Preissteigerungen des Rohöls rascher weitergegeben werden als die entsprechenden Senkungen.”

Der Preisüberwacher führt derzeit eine Untersuchung durch, die klären soll, ob in der Schweiz überzogene Treibstoff-Margen eingelöst wurden. Auch wenn diese Untersuchung noch andauert, ist für Niederhauser klar: mehr Transparenz könnte die Tankstellen dazu bewegen, auch sinkende Preise schneller weiterzugeben. Denn je mehr Übersicht es gibt, desto rascher passen die Mineralölfirmen die Preise auch gegen unten an, weil sie nicht von der Konkurrenz abgehängt werden wollen.

US-Präsident called an Tankstellen-Betreiber

Benzin bewegt auch in den USA die Gemüter. Die Tankstellenbetreiber wurden kürzlich von Präsident Joe Biden höchstpersönlich in die Pflicht genommen. “Senkt den Preis, den ihr an den Zapfsäulen verlangt, um die Kosten widerzuspiegeln. Und tut es jetzt.”

Aus der Wirtschaft setzt es daraufhin wüste Gegenangriffe. Unter anderem sagt Jeff Bezos, Gründer des Online-Warenhauses Amazon, der Präsident beweise eine “tiefe Unkenntnis von Marktmechanismen”. Bezos wird daraufhin für diese Attacke selber “Unwissen” vorgeworfen, von einem Ökonomie-Nobelpreisträger.

Wirft dem US-Präsidenten Unkenntnis vor: Amazon-Gründer Jeff Bezos mit Freundin Lauren Sanchez, TV-Moderatorin.

Wirft dem US-Präsidenten Unkenntnis vor: Amazon-Gründer Jeff Bezos mit Freundin Lauren Sanchez, TV-Moderatorin.Picture: keystone

Benzinpreis sinkt in der Schweiz nur langsam

Ein Blick auf die Zahlen des Touring Clubs Schweiz (TCS) zeigt, dass der Benzinpreis zwar durchaus auf die Entwicklung des Rohölpreises react. Innert eines Monats ist der Preis für einen Liter Bleifrei 95 an der Zapfsäule um 10 Rappen auf 2.14 Franken gesunken. Doch er liegt damit immer noch deutlich über dem Level von vor Kriegsausbruch. Gäbe es eine direkte Kopplung von Rohöl- und Treibstoffpreis, müsste Benzin jetzt wieder 1.89 Franken pro Liter kosten, so viel wie im Februar dieses Jahres.

Beim Diesel ist der Preis in den letzten vier Wochen deutlich weniger stark gesunken, nämlich nur um 3 Rappen auf 2.33 Franken pro Liter. Im Februar, vor Kriegsausbruch, lag der Dieselpreis noch bei 1.94 Franken. Es gibt also eine Differenz. Aber die Erklärung dafür müssen nicht unbedingt höheren Margen sein. Es gibt andere mögliche Gründe.

Empören ist leicht, nachweisen schwierig

So handelt es sich bei Rohöl und Treibstoffen um gänzlich unterschiedliche Produkte. Bis aus Rohöl Benzin oder Diesel fürs Auto wird, sind komplexe Arbeitsschritte nötig. Und für die Preise an der Tankstelle ist schliesslich weniger der Rohölpreis, sondern der Preis von Fertigtreibstoffen an der Börse massgebend.

Wichtig sind dabei die sogenannten “Platts”-Notierungen in Rotterdam. Dort können eine stark steigende Nachfrage oder die eingeschränkten Kapazitäten der Raffinerien die Kurse in die Höhe treiben. “Durch Spekulation werden auch bei Produktpreisen die Schwankungen an den Börsen oft noch verstärkt”, erklärt TCS-Sprecherin Sarah Wahlen.

Der Preis für Benzin hängt also nicht unmittelbar an jenem für Rohöl, und er wird durch weitere Kostenblöcke wie den Schiffstransport und den Vertrieb im Inland beeinflusst, deren Preise ebenfalls schwanken können.

Yesterday treiben aktuell die rekordtiefen Pegelstände bei der Rheinschifffahrt die Transportkosten in die Höhe. Der Preis für die Verschiffung einer Tonne auf dem Rhein nach Basel ist seit Anfang Juni von 30 auf aktuell 260 Franken geklettert. Der Grund: Die Schiffe können derzeit nur einen Drittel ihrer Kapazität laden, weshalb weniger Benzin und Diesel in die Schweiz gelangen.

Der stark gefallene Wasserspiegel verteuert den Transport: Der Rhein bei Köln, Deutschland.

Der stark gefallene Wasserspiegel verteuert den Transport: Der Rhein bei Köln, Deutschland.Picture: keystone

“Tank Sauereien” hat es schon gegeben

Dass es tatsächlich zu «Tank-Sauereien» kommt, ist also nicht einfach nachzuweisen. Es braucht schon sorgfältige Auswertungen. In der Schweiz muss die Untersuchung des Preisüberwachers abgewartet werden. Dass solche “Sauereien” schon vorgekommen sind, zeigen internationale Studien. In Österreich gibt es eine Untersuchung der Wettbewerbsbehörde von 2008. Demnach haben Tankstellen bei einem Liter Super die höheren Preise an der Börse bereits “am 1. beziehungsweise am 2. nachfolgenden Tag weitergeben, während die Preissenkung erst am 4. Tag erfolgte”.

Das heisst im Klartext: Die Konsumentinnen und Konsumenten warteten bis zu drei Tage länger auf die Preissenkung als auf die Erhöhung. Beim Diesel erfolgte die Korrektur nach unten nach drei Tagen.

Dieses Phänomen ist auch in den USA längst nachgewiesen worden. Auf solche Studien wies der Ökonom Paul Krugman hin, nachdem Amazon-Gründer Bezos dem US-Präsident “tiefe Unkenntnis” unterstellt hatte. Im amerikanischen Markt für Benzin zeige sich oft eine Abfolge von “Raketen und Federn”. Geht der Rohölpreis in die Höhe, tut es auch der Benzinpreis – wie eine Rakete. Fällt der Ölpreis, tut es auch der Benzinpreis, aber viel langsamer – er schwebt hinab wie eine Feder.

Raketen und Federn erklären sich mit Marktmacht, wie Studien zeigen. Vor allem Tankstellen, die in ihrer Umgebung kaum Konkurrenz haben, nutzen es aus, wenn der Ölpreis hochgeht. Sie geben nicht nur ihre Kosten weiter, sondern erhöhen zugleich ihre Margen. Steigen die Preise ohnehin überall, ist eine solche Übervaiguilleung kaum zu erkennen. Fällt der Ölpreis wieder, halten solche Tankstellen noch eine Weile fest an den höheren Margen.

Ein Gegenmittel ist bereits bekannt

Am Beispiel Österreich zeigt sich: Transparenz hilft. Tankstellen müssen dort täglich ihre Preise in eine App einspeisen. Damit ist stets ersichtlich, wo es das günstigste Benzin gibt – und die Anbieter haben einen Anreiz, bei den günstigsten Tankstellen, die die List anführen, mit dabei zu sein. Der Stellvertretende Preisüberwacher Beat Niederhauser sagt: “In einer Untersuchung wurde festgestellt, dass ein Rückgang des Rohölpreises in Österreich auch dank der dortigen Treibstoffpreisvergleichs-App inzwischen etwas schneller weitergegeben wird als Rohölpreiserhöhungen.” Für die Schweiz erhoffe sich der Preisüberwacher mit einer solchen Vergleich-App einen analogen positiven Effekt bei Preissenkungen. (aargauerzeitung.ch)

Das sollten Autofahrer beachten

Eine Übersicht über die günstigsten Tankstellen in der Schweiz liefert die Website benzin-preis.ch. Laut TCS sind die Preise an Tankstellen höher, die an einem gut frequentierten Standort liegen. Andererseits kalkulieren Garagen, die mit den Treibstoffpreisen Kunden anziehen möchte, mit günstigeren Preisen. Oft lohnt sich ein Umweg allerdings nur für eine volle Tankfüllung von 50 Liter oder mehr. Ebenfalls ins Gewicht fallt beim Benzinverbrauch – und somit bei den monatlichen Ausgaben fürs Auto – eine verbrauchsbewusste und vorausschauende Fahrweise. Der TCS rät zum Entfernen von Skiträgern, von unnötigem Ballast im Kofferraum sowie zur regelmässigen Überprüfung des vorgeschriebenen Reifendrucks.

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