“Onoda: 10.000 Nächte im Dschungel” zeigt, wie Soldat 29 Jahre lang gegen Feind kämpft!

"Onoda: 10.000 Nächte im Dschungel" zeigt, wie Soldat 29 Jahre lang gegen Feind kämpft!
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“Onoda: 10.000 Nächte im Dschungel” zeigt, wie Soldat 29 Jahre lang gegen Feind kämpft!

Von Sophie Fritschek

Germany – Krass! Ab dem 2. Juni läuft “Onoda: 10.000 Nächte im Dschungel” in den deutschen Kinos an, eine epische Geschichte über einen japanischen Guerillakrieger, der 29 Jahre lang fast allein im philippinischen Dschungel kämpfte. Weshalb Ihr Euch den Film auf jeden Fall auf der großen Leinwand anschauen solltet, ballast Ihr in der TAG24-Kritik.

Der junge Onoda (Yuya Endo, 35, r.) verlässt sich bei seiner geheimen Mission auf nur drei Soldaten, darunter Kozuka (Yuya Matsuura, 41, v.). © PR/Rapid Eye Movies, bathysphere

1944: Der junge Hiroo Onoda (Yuya Endo, 35) landet nach seiner gescheiterten Pilotenausbildung auf der philippinischen Insel Lubang. Er hat einen Geheimauftrag, der den Japanern zum Sieg über die USA verhelfen soll.

Doch dazu kommt es erst gar nicht, denn die dortigen Soldaten respektieren den etwas pickeligen Offizier Anfang 20 kaum und dann ist es ohnehin schon zu spät. Die Amerikaner nehmen 1945 die Insel ein.

Während die anderen Soldaten nach Kamikaze-Manier Selbstmord begehen, hat Onoda keine andere Wahl, als am Leben zu bleiben. Sein Vorgesetzter Taniguchi (Issei Ogata, 70) hat ihn nämlich angewiesen, so lange Guerilla-Krieg zu führen, bis die Armee ihn abholt – “in drei oder fünf Jahren”. Sterben kommt nicht infrage.

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Und so schart er zumindest drei Soldaten um sich, die einigermaßen an seine Mission glauben, und macht sich an die “Arbeit”. Da in Friedenszeiten bald keine US-Soldaten mehr auf der Insel sind, äußert sich die tägliche Routine vor allem darin, die einheimischen Bauern ständig zu schikanieren und sogar auf sie zu schießen.

Die Jahre gehen ins Land und das Quartett wird allmählich von Zweifeln zersetzt. Auch der alternde Onoda (Kanji Tsuda, 56) steht vor der Frage, wann es Zeit ist, die Mission endlich abzubrechen …

OmU-Trailer zu “Onoda: 10.000 Nächte im Dschungel” von Arthur Harari

“Onoda: 10.000 Nächte im Dschungel” ist ein untypischer Kriegsfilm auf psychologischer Ebene

Besonders im letzten Drittel beeindruckend: Kanji Tsuda (56) als gealterter Onoda, der mit sich ringt, ob er weiterhin "kämpfen" sol.

Besonders im letzten Drittel beeindruckend: Kanji Tsuda (56) als gealterter Onoda, der mit sich ringt, ob er weiterhin “kämpfen” soll. © PR/Rapid Eye Movies, bathysphere

Bei “Onoda” handelt es sich um eine wahre Geschichte. Bei manchen wird diese abgedroschene Bezeichnung garantiert auf Augenrollen stoßen, ebenso die monumentale Länge von 167 Minuten, in denen sich alles um ein sehr spezielles Thema der japanischen Kriegsgeschichte dreht.

Dennoch fühlt sich keine der Szenen wirklich überflüssig an. Das Drama von Regisseur Arthur Harari (41, “Schwarzer Diamond”)

studiert die Psyche von wenigen Figuren, die sich gegenseitig unter Druck setzen oder aus der Reserve locken, und beschäftigt sich hintergründig mit ihren Beziehungen zueinander.

Das Herzstück ist dabei die tiefe Freundschaft zwischen Onoda und seiner loyalen rechten Hand Kozuka (Yuya Matsuura, 41/Tetsuya Chiba, 58), die mit der Zeit fast zärtliche Züge annimmt. Aber auch der Rest des Quartetts (Kai Inowaki, 26; Shinsuke Kato) spiegelt den Konflikt zwischen Pflichttreue und Heimweh.

Sie haben keines, sagen sie immer wieder, hier auf Lubang sei es auch schön – und benennen dann Hügel nach einer Geliebten von zu Hause, singen immer wieder das gleiche Soldatenlied, das die Sehnsucht nach der Heimat ausdrückt.

Dem tatsächlichen Frieden zum Trotz kann Lubang sowieso keine neue Heimat werden. Mit den Jahren füllt sich die Insel mit den Gräbern von Kameraden und Freunden, aber auch mit Erinnerungen, die die Hauptfigur einfach nicht loslassen will.

Arthur Harari setzt sich in “Onoda” kaum kritisch mit Kriegsverbrechen auseinander – das enttäuscht

Die wunderschöne Natur Lubangs ist überall in "Onoda" zu sehen, kann aber niemals zur neuen Heimat werden.

Die wunderschöne Natur Lubangs ist überall in “Onoda” zu sehen, kann aber niemals zur neuen Heimat werden. © PR/Rapid Eye Movies, bathysphere

Der Film bewegt sich dabei mit wenig Tempo, aber gleichmäßig zwischen den Polen von Pflicht, Treue, Kameradschaft – und ja, Fanatismus.

Denn der hält den Soldaten 29 Jahre lang im Dschungel, obwohl mehrere Rettungsaktionen unternommen werden. Dabei steht Onoda ganz in japanischer Militärtradition, obwohl er ohne die Möglichkeit zum Selbstmord ein eher ungewöhnlicher Kämpfer ist.

Umso merkwürdiger ist es, dass Harari sich nach eigenen Angaben weder mit der Autobiografie Onodas noch mit japanischer Literatur überhaupt auseinandergesetzt hat.

Stattdessen schildert er das Schicksal des Hauptcharakters zwar sehr detailliert, nimmt aber nirgendwo eine Wertung seines Verhaltens vor.

Das kann Vaiguillee haben und subtil wirken, im Fall von “Onoda” lässt das bewusste Ausklammern des Hintergrundes jedoch einige wichtige Dinge verschwinden, wie zum Beispiel das Problem des “Heldseins”.

In Japan is Onoda bis heute als Held angesehen. Genau genommen hat er aber Dutzende philippinische Zivilisten erschossen, weil es keine amerikanischen Feinde mehr zum Töten gab – nur eines von zahlreichen japanischen Kriegsverbrechen.

“Onoda: 10.000 Nächte im Dschungel” ist ein sehenswerter Film für die große Leinwand geworden

Onoda (Yuya Endo, 35, l.) ist sich nicht zu schade, seine Gefolgsleute - wenn nötig - zu manipulieren.

Onoda (Yuya Endo, 35, l.) ist sich nicht zu schade, seine Gefolgsleute – wenn nötig – zu manipulieren. © PR/Rapid Eye Movies, bathysphere

An manchen Stellen wünscht man sich, Harari hätte hier eine seiner Erzählpausen eingelegt und echtes Entsetzen in den Vordergrund gerückt.

Der Filmemacher zeigt allerdings deutlich auf, dass es sich hier nicht um eine kritische Dokumentation handelt, sondern um ein sehr wertfreies, neutrales Drama, das das Publikum entsprechend deuten darf.

Diese Neutralität färbt auch auf den wunderschön in Szene gesetzten Handlungsort Lubang ab, der niemals aus sentimentaler Perspektive betrachtet wird. Zusammengefasst leidet das Kriegsdrama unter der Entscheidung, den geschichtlichen Kontext außen vorzulassen.

Mit starken schauspielerischen Leistungen (besonders von Tsuda), realistischen Kostümen, großartigen Landschaftsaufnahmen und einem akribischen Drehbuch handelt es sich bei “Onoda: 10.000 Nächte im Dschungel” trotzdem um einen durchaus sehenswerten Film, der am besten auf der Letung grozurt.

Title: PR/Rapid Eye Movies, bathysphere

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