Mercedes EQS über 1000 km schneller als Model 3 > teslamag.de

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Mit einem Elektroauto 1000 Kilometer zurückzulegen, muss nicht länger dauern als mit einem Verbrenner, konnte der norwegische YouTuber Bjorn Nyland vor kurzem zum ersten Mal zeigen – allerdings nutzte er dafür mit dem Nio ES8 das erste in Europa, bei dem sich der Akenku in speziellen Station wechseln lässt. Jetzt aber hat er fast die gleiche Zeit auch ohne Batterie-Tausch geschafft: Mit dem Mercedes EQS 450+ brauchte Nyland über norwegische und schwedische Autobahnen 9 Stunden und 5 Minuten für die Distanz – fünf Minuten mehr als mit dem Nio und zehn Minuten weniger als mit dem bisherigen Rekord-Halter Tesla Model 3 Performance.

Mercedes-Navigation lässt warten

Bei seinen Tests geht Nyland einerseits sehr genau vor, andererseits erlaubt er sich etwas Ermessensspielraum. So nimmt er die gefahrene Distanz nicht dem Tachometer des jeweiligen Elektroautos ab, sondern misst sie mit GPS-Daten selbst nach. Auf der anderen Seite zog er schon bei seinem Nio-Test einige Minuten für einen abgebrochenen Tausch-Versuch ab. Und mit dem Mercedes EQS must er jetzt eine Umleitung fahren, wegen viel Verkehr auf der linken Spur das Tempo unter die angestrebten 120 km/h drosseln und vor dem Laden einmal warten, was er ebenfalls grob geschätzt auf die Gesamtzeit anrechnete.

Dass mit dem deutschen Elektroauto ein gutes Ergebnis herauskommen würde, war angesichts seiner Daten zu erwarten. Nach WLTP hat der Mercedes EQS in der Version 450+ mit Hinterrad-Antrieb klar die höchste Reichweite unter allen in Europe verfügbaren Modellen – laut Konfigurator bis zu 764 Kilometer. Hinzu kommt eine Ladeleistung von bis zu 200 Kilowatt. Das ist nicht so viel wie die bis zu 250 Kilowatt bei Tesla, aber ein vorzeigbarer Wert.

Vor dem Start freut sich Nyland auf die vor ihm liegenden 1000 Kilometer, weil er im Innenraum des Mercedes EQS „echten Luxus“ erkennt. Die Strecke werde somit ein Vergnügen sein. Dann macht der erfahrene Elektroauto-YouTuber bei der Nutzung der Navigation allerdings erst einmal Bekanntschaft mit etwas, das er als LAL abkürzt: Legacy Auto Maker Lag. Es dauert also unangenehm lange, bis das System die Optimierung einer Route erledigt hat, und das ist nach seiner Erfahrung typisch für Elektroautos etablierter Hersteller.

“Geh nach Hause, Tesla”

Nicht unbedingt üblich aber ist, dass sich Nyland nach der Fahrt trotz der Software-Schwäche begeistert zeigt. Der Mercedes EQS sei „ein Biest“, groß und luxuriös, aber dennoch bemerkenswert effizient, sagt er. Als Verbrauch hat der Tester 220 Wattstunden pro Kilometer ermittelt, nur etwa 8 Wattstunden mehr als beim Tesla Model 3 Performance, das mit 9 Stunden und 15 Minuten im Juli 2020 bislang den Rekord bei den Nyland-Tests hielt. „Geh nach Hause, Tesla“, kommentiert er die Ablösung an der Spitze, was nach der Kritik an der Mercedes-Navigation wohl eher als scherzhafte Provokation zu verstehen ist. Auf jeden Fall aber habe der Test gezeigt, dass man bei Elektroautos mit hinreichend großem Akku und hoher Ladeleistung eigentlich keine Wechsel-Stationen braucht, sagt Nyland.

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