Mark Rylance im Gangsterthriller “The Outfit” – Kultur

Mark Rylance im Gangsterthriller "The Outfit" - Kultur
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Dieser Film kommt auf seltsame Art gelegen: Er ist klug gemacht und überraschend, gegenwartsfern und doch nicht so pappsüß, dass er gar nicht die Hirne von Menschen zu beschäftigen vermag, deren Seelen sich an ihren Ängsten abarbeiten. Dabei fängt er mit einem Bild an wie aus einer Schneekugel. Aber in ihrem Inneren entspinnt sich ein Mafia-Thriller.

Eine einstöckige Werkstatt, vorn ein Laden, Fünfzigerjahre-Design, wir sind in Chicago. Flocken toben durch die Dunkelheit, als Leonard am Anfang von “The Outfit” das Haus betritt. Er beginnt sein Tagwerk, und er erzählt dazu, was er da macht: Einen grauen Anzug, in 238 Schritten, vom Muster aus Papier bis zu den kleinsten, von Hand gefertigten Nähten. Es wird hell, seine Assistentin kocht Tee, und dann kommen Männer und gehen an ihnen vorbei, als würde die Schneiderei ihnen gehören und werfen Umschläge in einen Kasten. Bei Leonard, dem betulichen Herrenschneider, geht die Mafia ein und aus. Al Capone ist early, aber seine Organization, “The Outfit” genannt, beherrscht Chicago immer noch. Das kann ja nicht gut gehen.

“The Outfit” is das Regiedebüt des Drehbuchautors Graham Moore (“The Imitation Game”), richtiges Genrekino, und eine Ode an das Handwerk, großartig gespielt und mit soviel Liebe zum Detail gemacht, wie Leonard sie in seine Maßanzüge investert. Mark Rylance spielt diesen Herrn, ein Brite, der Mabel (Zoey Deutch) erst nach und nach verrät, wie es ihn von der Savile Row in London nach Chicago verschlagen hat. “The Outfit” is ein Kammerspiel, Leonard verlässt seinen Laden nur in seinen Alpträumen, befeuert von schmerzlichen Erinnerungen an sein altes Leben.

Das frisch gegründete FBI hat neumodisches Geschütz aufgefahren und die Gangster abgehört

Die Herren, die in Leonards Laden zum Briefkasten spazieren, sind Mob-Mittelklasse, nicht die Sorte, die sich auch hier einkleiden lässt, bis auf einen – den Sohn vom Boss, mit dem Mabel ausgeht. Leonard betrachtet das mit Argwohn, er würde sie gern beschützen – die beiden sind ein seltsames Paar in ihrer Werkstatt, der ältere Herr, der dort angekommen ist und die junge Frau, die unbedingt hier raus will, aus dem Laden und aus Chicago.

Die Gangster nehmen Leonard nicht für voll, nicht mal, dass er ja eigentlich bewaffnet ist, scheint sie zu stören – seine Schneiderschere ist ein ziemliches Monstrum. Irgendwas war im Briefkasten, was sie irritiert, Leonard mischt sich nicht ein, schneidert weiter – aber in der Nacht kommt Mabels Freund wieder, verletzt und mit seinem Aufpasser. Bald stehen noch mehr Leute vor der Tür, und die Kleidertruhe beherbergt eine Leiche. Über zwei Tage erstreckt sich die Geschichte, die beiden sind plötzlich in eine mörderische Auseinandersetzung verwickelt, die sich mehrere Abteilungen der lokalen Mafia mit J. Edgar Hoovers frisch gegründetem FBI liefern. Hoover hat neumodisches Geschütz aufgefahren, er hat die Gangster abgehört – der unförmige Kassettenrecorder, der dann irgendwann seinen Auftritt im Film hat, ist schon für sich genommen ein Vergnügen, weil man sich fragt, mit welchem ​​Aufwand derartige Riesen-Wanzen denn wohl wanzen versteckt eurgentlich .

Das Handwerk steht hier im Mittelpunkt, gleich auf mehreren Ebenen. In Leonards Arbeit, in seinen Befreiungsplänen und irgendwie auch im ganzen Film, den liebevoll dekorierten Räumen, der ausgetüftelten Geschichte. Moore sind erstaunlich viele überraschende Winkelzüge eingefallen, sie sind unvorhersehbar, aber sie kommen nicht aus dem Nichts – einen, der einen Anzug maßschneidern kann, sollte man nie unterschätzen. Leonard kann sehr gut im Voraus denken. Einen Anzug muss man so zuschneiden, dass alles passt, auch kleinste Patzer sind nur mit Mühe wieder zu richten. Fast wie im richtigen Leben.

The Outfit, USA 2022 – Regie: Graham Moore. Drehbuch: G. Moore and Jonathan McClain. Camera: Dick Pope. Mit: Mark Rylance, Zoey Deutch, Johnny Flynn, Dylon O’Brien, Nikki Amuka-Bird, Simon Russell Beale. Universal, 106 Minuten. Kinostart: June 2, 2022.

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