Love and Thunder die Frau für harte Schläge

Love and Thunder die Frau für harte Schläge
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Eine Frau (Nathalie Portman) und ein Mann (Chris Hemsworth, sorry, eine Heldin und ein Gott beziehungsweise Mighty Thor und Thor.Picture: marvel studios

In Taika Waititis «Thor: Love and Thunder» wird die Oscargewinnerin zur muskelbepackten Donnergöttin. Nur eine von tausend Facetten einer Hollywood-Karriere ohne Krisen oder Pausen.

Simone Meier
Simone Meier

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Es ist ein Tag wie jeder andere im fantasie-strotzenden Universum der Marvel-Filme: Ein magischer Hammer ruft nach einer Frau. Sie hat Krebs, doch die Kraft des Hammers verspricht Linderung. Und eine Schlaufe der Verwandlung, in der sich die verrücktesten Träume erfüllen.

Denn die Frau, die eigentlich Astrophysikerin ist, verwandelt sich in die hammerschwingende, muskelbepackte Heldin Mighty Thor. Sie begegnet erneut der Liebe ihres Lebens, dem Donnergott Thor (die geschlechterübergreifende Thorverdoppelung geht wie genau?), und erlebt ein intergalaktisches Abenteuer gegen einen entsetzlich bösen Bösewicht, dem nur Nietzsche applaudieren würde.

Im Kostüm von Thor steckt Natalie Portman. Die Frau für restlos alles. Die Frau mit dem grössten und wärmsten Lachen von Hollywood neben Julia Roberts. 41 Jahre ist sie jetzt alt, mit 12 stand sie zum ersten Mal vor der Kamera, schon da wurde gekämpft, geschossen, getötet. Portman spielte die zwölfjährige Mathilda in “Léon” von Luc Besson, die nach der Ausrottung ihrer ganzen Familie mit eisiger Entschlossenheit vom Profikiller Léon das Handwerk des Tötens lernt. “I want love or death. That’s it”, is Mathildas Leitmotif. Was for Entry.

Das war 1994: Jean Reno and Natalie Portman in “Léon”.

Das war 1994: Jean Reno and Natalie Portman in “Léon”.Picture: IMAGO / Prod.DB

Natalie Portman kommt 1981 als Neta-Lee Hershlag in Jerusalem zur Welt, viele ihrer Vorfahren sind während des Zweiten Weltkriegs in KZs ermordet worden. Als sie drei Jahre alt ist, wandert die Familie nach Amerika aus. Ihr Vater ist Arzt, ein sogenannter Fruchtbarkeitsspezialist, wenn sie in der Schule gefragt wird, was sein Job sei, sagt sie: “Er hilft Frauen, schwanger zu werden.”

Mit sechs beginnt sie Theater zu spielen, als sie elf Jahre alt ist, wird sie in einer Pizzeria auf Long Island von einem Modelscout der Kosmetikfirma Revlon angesprochen, doch sie hat keine Lust Revlon’s Next Topmodel zu werden, sie will spielen. Ein Jahr später geht sie zum Casting von “Léon” und besiegt 2000 Mitbewerberinnen. Sie nennt sich jetzt Natalie Portman, ihre amerikanische Grossmutter hiess Portman.

1999 als Queen Amidala in “Star Wars: Episode I – The Phantom Menace”.

1999 als Queen Amidala in “Star Wars: Episode I – The Phantom Menace”.Picture: IMAGO / Everett Collection

Ab da entfaltet sich eine Karriere ohne Pausen und ohne Krisen. Natalie Portman scheint wie ein Engel aus lauter Perfektion über Hollywood zu schweben. Oder wie etwas sehr viel Handfesteres. Thor eben. Als sie einmal gefragt wird, welche Songzeile ihre Verfassung am besten beschreiben würde, sagt sie: «Richtig, richtig obszöner Hip-Hop», und «warte, bis du meinen Schwanz siehst!» Er muss ziemlich big breast. Zwischen vielen Rollen kratzt sie sich noch die Zeit für ein Harvard-Studium in Psychologie zusammen. Mit 22 macht sie ihren Abschluss.

Als sie in “Star Wars” Queen Amidala spielt, beneidet sie die Männer um die physische Seite ihres Jobs. Um das Krafttraining, den Schwertkampf, die Stunts. Vor “Thor: Love and Thunder” hat sie genau dies endlich gekriegt, hat sie sich Muskelmasse antrainiert und angespachtelt. Nicht so wie Filmpartner Chris Hemsworth natürlich. “Er ass ungefähr jede halbe Stunde ein kleines Tier”, sagt sie, als Veganerin musste sie sich die Proteine ​​anderweitig zuführen. Und ja, das Training sei “voller Schmerz” gewesen.

Ihr Triumph: Das Ballett-Battle “Black Swan” gegen Mila Kunis bringt Portman ihren Oscar.

Ihr Triumph: Das Ballett-Battle “Black Swan” gegen Mila Kunis bringt Portman ihren Oscar.Picture: IMAGO / Everett Collection

Sie hat sich dies schon einmal angetan, allerdings mit weniger nicht mehr zu Essen als normal, und ganz anderen Trainingseinheiten, denn nichts an ihr durfte damals massiv sein. Als schizoide, sich selbst verstümmelnde Ballerina im Ballett-Psychothriller “Black Swan” von Darren Aronofsky (neben “The Red Shoes” der beste Ballettwahnfilm aller bisherigen Zeiten, sorry, Nerdwissen) gewinnt sie 2011 endlich ihren Oscar.

Explizite Sex- oder Nacktszenen gibt es in Portmans Filmen nicht, auch nicht in «Closer», wo sie eine Stripperin spielt.  Sie mag das einfach nicht.

Explizite Sex- oder Nacktszenen gibt es in Portmans Filmen nicht, auch nicht in «Closer», wo sie eine Stripperin spielt. Sie mag das einfach nicht.Picture: IMAGO / United Archives

Verdient gehabt hätte sie ihn auch schon vorher. Und nachher. Denn die Liste ihrer grössten Rollen, die aus unzähligen herausstechen, reisst nicht ab. Unvergessen etwa ist sie neben Jude Law und Julia Roberts als Stripperin Alice in Mike Nichols melancholischem Partnertauschreigen “Closer” (2004, von Mike Nichols). Oder in Pablo Larraíns “Jackie” (2016) – als Jackie Kennedy, die nach der Erschiessung ihres Gatten im blutverspritzten rosa Two-Pieces ins Weisse Haus zurückkehrt und sich kühl kalkulierend hinter die Architektur des Mythos John F. Kennedy macht.

Nach dem Schuss.  Als Jackie in “Jackie”.

Nach dem Schuss. Als Jackie in “Jackie”.Picture: IMAGO / ZUMA Wire

Natalie Portman beherrscht die grossen Gesten des Hammerschwingens und des Wahnsinns. Das Motiv der scheinbar harmlosen Beauty, die sich zur Kampfmaschine entwickelt, zieht sich von “Léon” über “V for Venedetta” (eine grelle, von den Wachowskis geschriebene Persiflage auf Nazideutschland) bis zu “Thor”. Und Jackie Kennedys Halsstarrigkeit fand sich auch schon in “The Other Boleyn Girl” in der blutjungen Anne Boleyn, die an Henry VIII. verschachert wird, sich zur Hofintrigantin entwickelt und schliesslich geköpft wird.

Zwei ziemlich ideale Leinwandschwestern: Natalie Portman and Scarlett Johansson in “The Other Boleyn Girl”.

Zwei ziemlich ideale Leinwandschwestern: Natalie Portman and Scarlett Johansson in “The Other Boleyn Girl”.Picture: IMAGO / Everett Collection

In «Thor» finden sich übrigens in den ersten Minuten ein paar schreckhafte Blumenwesen, die wie ein ferner Gruss aus Portmans Netflix-Hit «Annihilation» von Alex Garland (2018) wirken: Da musste sie als Zellforscherin die tumorös wuchernde Welt hinter dem sogenannten « Schimmer» untersuchen. In “Thor” trägt sie als Astrophysikerin den Tumor in sich. Doch zum Glück auch den Hammer mit sich.

«Thor: Love and Thunder» läuft jetzt im Kino.

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