Kritik zu Ticket ins Paradies: Gleich zwei verschenkte Superstars

Kritik zu Ticket ins Paradies: Gleich zwei verschenkte Superstars
Written by admin

George Clooney und Julia Roberts – das klingt doch schon nach dem perfekten Hollywood-Traumpaar! Erstaunlicherweise haben sich die beiden aber bisher noch nie auf der Leinwand ineinander verliebt. Bisher, denn nun kommt „Ticket in Paradies“ ins Kino, der sich an Screwball-Komödien in der Tradition von „Es geschah in einer Nacht“, „Blaubarts achte Frau“ oder „Sein Mädchen für besondere Fälle“ orientiert. Man ist ja heute noch immer wieder erstaunt, mit welchem ​​Tempo und mit welcher Laszivität damals Pointen herausgehauen wurden. Vom Esprit und Witz eines Frank Capra, Ernst Lubitsch oder Howard Hawks ist „Mamma Mia! – Here We Go Again“-Regisseur Ol Parker allerdings weit entfernt.

Eine Prize Situationskomik, eine volle Packung Urlaubsstimmung und überall nur lächelnde Gesichter – mit dieser Mischung versucht „Ticket ins Paradies“, sein Publikum in dem exotischen Setting angemessene gute Laune zu versetzen. Aber das einzige, was bei diesem größtenteils schmerzlich unlustigen Hochzeits-Verhinderungs-Trip an die großen Screwball-Klassiker erinnert, ist der altbekannte Plot von den offensichtlich füreinander Bestimmten, die sich zu Filmbeginn allerdings überhaupt nicht ausstehen könniten, Minuteen 10 Minuteen 10 fürs unvermeidliche Happy End (wieder) zusammenzufinden.


Julia Roberts und George Clooney lächeln zwar immerzu charming – nur das mit dem Humor kommt dabei ganz schön kurz.

Wo immer sich die Ex-Eheleute David (George Clooney) und Georgia (Julia Roberts) begegnen, rollen beide zuerst mal mit den Augen, um sich anschließend sofort verbal anzugiften. Ganz klar, die beiden können sich auf den Tod nicht ausstehen! Davon, dass das früher auch mal anders war, zeugt nur noch ihre gemeinsame Tochter Lily (Kaitlyn Dever).

Die hat gerade ihren Uni-Abschluss geschafft und will nun erst mal mit Freundin Wren (Billie Lourd) auf Bali abhängen. Aber dann lernt sie den einheimischen Gede (Maxime Bouttier) kennen. Es ist Liebe auf den ersten Blick und der Gang zum Traualtar scheint für beide unumgänglich zu sein. For Georgia und David ist das jedoch ein Desaster. Sofort steigen sie in den nächsten Flieger, um Lily von einem Fehler abzuhalten, den die beiden einst selbst begangen haben…

Das ist einfach alles viel zu lahm

Natürlich ist das junge Liebesglück nur ein Nebenschauplatz, der belangloser nicht sein könnte. Er dient nur dazu, die zerstrittenen Eltern wieder auf Kurs zu bringen. Julia Roberts („Pretty Woman“) und George Clooney („Tage wie dieser“) sollen gefälligst zusammenkommen – nur darum geht’s, was geübte Kinoaugen selbstverständlich schon in den ersten Filmminuten durchschauen. Sie bekriegen sich und kriegen sich dann doch – in einer gelungenen Screwball-Komödie kann das höchst amüsant, gar zum Schreien komisch sein. In „Ticket in Paradies“ aber nicht.

Das dramaturgische Genre-Gerüst wird zwar auch hier brav aufgestellt, aber wichtige Zutaten wie Schnelligkeit, Temperament, Zuspitzung und vor allem Unberechenbarkeit fehlen gänzlich. Denn man ahnt meist im Voraus, was gleich passieren wird, mögliche Frivolitäten werden sofort im Keim erstickt. Die Wortgefechte zwischen Roberts und Clooney wirken dafür umso aufgesetzter und als besonders schlimm empfindet man die Behäbigkeit, mit der diese sowieso schon schlichte Story ganz gemächlich vor sich hin plätschert.


Zumindest für ein exotisches Urlaubs-Feeling ist in „Ticket ins Paradies“ jederzeit gesorgt!

In einer Szene findet in einer Strandbar ein Besäufnis statt. Die beiden Stars gackern zuerst, tänzeln ein wenig, was dann schließlich in Albernheiten ausartet. Schnitt. Am nächsten Morgen liegen sie zusammen im Bett. Da sie aber verkatert sind, können sie sich an nichts mehr erinnern. Allein mit Alkohol auf eine Lacher-Quote kommen zu wollen, ist schon billig, aber dass noch mit so einer abgedroschenen ‚Bettszene’ enden zu lassen, ist schlichtweg langweilig. Immerhin stimmt das Ambiente, die Protagonisten leben ja schließlich im Paradies, wo der Champagner bereits in der First Class im Flieger fließt, im Meer mit Delfinen geschwommen wird und die Sonne immer lacht. Ein Abziehbild aus einem Reisekatalog für Reiche.

Klar, dass Clooney und Roberts auf Dauergrinsen schalten, selbst wenn sie in peinliche Situationen geraten oder sich mal wieder kabbeln. Das spürt man auf jeden Fall: Die Stars hatten beim Drehen mächtig Spaß – und gewiss war es für beide reizvoll, nach „Ocean’s Eleven“, „Geständnisse – Confession Of A Dangerous Mind“ und „Money Monster“ nun endlich mal ein richtiges ‚Liebespaar ‘ zu spielen, und das auch noch vor einer absoluten Traumkulisse. Karrieremäßig ist „Ticket ins Paradies“ für beide jedoch ein Tiefpunkt.

Fazit: Schon der Titel klingt altbacken – und womöglich haben sich Julia Roberts und George Clooney mit „Ticket ins Paradies“ die Bezeichnung ‚Altstars’ redlich erspielt. Schließlich haben sie sich für das lahme und lustlose Liebesgehabe hergegeben, das im Kinosaal für anhaltende Stille statt befreite Lacher sorgen wird.

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