Kritik zu The Eternal Daughter: Ein zutiefst persönlicher “Grusel”-Film

Kritik zu The Eternal Daughter: Ein zutiefst persönlicher "Grusel"-Film
Written by admin

Der Nebel wabert immer und überall. Das abgelegene Hotel, in dem angeblich (so gut wie) kein Zimmer mehr frei sein soll, aber sich trotzdem nie ein anderer Hotelgast blicken lässt, erinnert an die Klischee-Kulisse eines Hammer-Horrorfilms. Die Rezeptionistin benimmt sich merkwürdig-unfreundlich und nachts kann die Protagonistin aufgrund von unheimlichen Geräuschen nicht schlafen. Stattdessen treibt es sie immer wieder hinaus in den düster-feuchten Garten – und überhaupt scheint in „The Eternal Daughter“ von Joanna Hogg („Archipalego“) etwas sehr Eigenartiges in dem alten Gemäuer vor sich zu gehen.

Als Studio hinter dem Film steht neben der BBC auch A24, das sich in den vergangenen Jahren mit Werken wie „Hereditary“, „Saint Maud“ oder „Men“ immer mehr dem sogenannten „gehobenen Horror“ zugewandt hat. Der Gedanke liegt also nahe, dass sich die britische Auteurin nach dem autobiographisch geprägten „The Souvenir“-Doppel, in dem sie ihre Zeit auf der Filmhochschule verarbeitet hat, nun quasi zur Auflockerung auch mal ein Schauerstück vorknöpft. Aber Pustekuchen! Hogg bleibt sich selbst absolut treu und macht genau da weiter, wo sie mit „The Souvenir – Part II“ aufgehört hat.


Julie beobachtet, was vor sich geht.

Statt einer Filmhochschulstudentin ist die Hauptfigur diesmal eine bereits erfahrene Filmemacherin, aber zumindest der Name Julie ist derselbe geblieben. Gespielt wird sie von Oscargewinnerin Tilda Swinton („Three Thousand Years Of Longing“), die bei der Vorbereitung auf den Part die Idee hatte, die greise Mutter der Protagonistin auch gleich noch mit zu verkörpern. Zu Beginn von „The Eternal Daughter“ checkt das Duo am späten Abend in das erwähnte Hotel ein. Die Mutter lebte schon zu Zeiten des Zweiten Weltkriegs als Kind eine Zeitlang hier und Julie hofft nun, ihre Erinnerungen an damals zu wecken, um sie dann zu einem Drehbuch für ihren nächsten Film zu verarbeiten.

Joanna Hogg inszeniert „The Eternal Daughter“ consequent wie ein im besten Sinne klassisches Schauermärchen – und das mit einer Milde und Leichtigkeit, die einen angenehm durch den Film gleiten lässt, wozu auch die doppelte Tilda Swinton mit einer großen Menge feinem Humor beiträgt. Aber während man in der ersten Hälfte noch darauf wartet, dass das mit dem „Horror“ oder zumindest dem „Grusel“ mal so richtig losgehen möge, dämmert es einem irgendwann doch, dass man mit dieser Erwartung wohl im völlig falschen Film sitzt. Hogg will hier niemanden erschaudern lassen – sondern vielmehr eine ganz persönliche Angst überwinden.

The Schrecken of the Erinnerung

Joanna Hogg plant bereits 2008 einen Film über ihre Beziehung zu ihrer eigenen Mutter, die ebenfalls während des Zweiten Weltkriegs aufgewachsen ist und ihr ganzes Leben lang – wie so viele aus ihrer Generation – nie wirklich etwas über sich preisgegeben hat. Aber es hat nicht geklappt – ihr eigenen Schuldgefühle haben Hogg davon abgehalten, weiter im Leben ihrer Mutter herumzustochern. Erst zwölf Jahre später folgte der rettende Einfall – mit Tilda Swinton als gleich doppeltem Stand-In für sie und ihre Mutter sowie dem Schauerhotel als Katalysator gelang es plötzlich doch, die für sie zum Teil sehr schmerzlichen und schuldbeladenen Themen anzupacken.

Und so sind es nun wenig überraschend nicht die „Grusel“-Szenen, die lange nachwirken, sondern die Abendessen von Mutter und Tochter ganz allein im Speisesaal voll mit gedeckten, aber leeren Tischen. Julie nimmt die Gespräche heimlich mit ihrem Handy auf, wohl um sie später direkt in ihr Skript übernehmen zu können. Es ist übrigens nicht so, dass da großartige Enthüllungen bei herumkommen – aber selbst die kurze Erzählung der Mutter von einer leidvollen Erfahrung als kleines Mädchen reicht, um die Tochter aus der Bahn zu werfen. Sie könne auch deshalb keinen Film über ihre Mutter machen, weil sie sie einfach nicht traurig sehen möchte, sagt Julie in einer der schönsten Szenen des Films.

Den finalen Twist sieht dann auch ein Blinder mit Krückstock zwölf Meilen gegen den Wind kommen – aber zu diesem Zeitpunkt hat dann wohl auch ohnehin jeder verstanden, dass „The Eternal Daughter“ einfach nicht die Art von Film ist, wo es darauf überhaupt noch ankommt…

Fazit: Der omnipräsente Nebel weckt natürlich gewisse Erwartungen – und trotzdem ist Joanna Hoggs zutiefst persönlicher Film kein klassisches Schauerstück, sonrn eine mit gewissen Genre-Tropen mild-gewürzte Reflexion über (generationenübergreifende) schmerzhafte Erinnerungen und die manine amen Frage, wie amen best manine Verarbeitet film. Auch wenn „The Eternal Daughter“ von A24 produziert wurde, ist das Ergebnis eher was für Fans von Hoggs „The Souvenir“-Doppel als von anderen gehobenen Horror-Filmen des Studios wie „Hereditary“ oder „Men“.

Wir haben „The Eternal Daughter“ beim Filmfest in Venedig gesehen, wo er als Teil des Offiziellen Wettbewerbs seine Weltpremiere gefeiert hat.

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