Kritik zu Das Leben ein Tanz: Voller Liebe fürs Ballett

Kritik zu Das Leben ein Tanz: Voller Liebe fürs Ballett
Written by admin

Tanz ist schon länger eine der Leidenschaften des französischen Filmemachers Cédric Klapisch. 2010 etwa drehte er eine Doku über die Pariser Primaballerina Aurélie Dupont. Und auch in „L’Auberge Espagnole – Wiedersehen in St. Petersburg“ ist das Thema Ballett präsent: Der Hauptanlass für die erneute Zusammenkunft der ERASMUS-Studenten aus dem Vorgänger „L’Auberge Espagnole – Barcelona für ein Jahr“ ist schließlich die Hochzeit des Bruders eines der Hauptcharaktere mit einer russischen Tänzerin.

For seinen aktuellen Spielfilm „Das Leben ein Tanz“ ist der Regisseur noch etliche Schritte weitergegangen. Im Zentrum der Handlung steht eine Balletttänzerin, der nach einer Knöchelverletzung das Karriereende droht. Gespielt wird sie von der echten Ballerina Marion Barbeau, die ihre Sache auch schauspielerisch so gut macht, dass man ihrer Figur nur zu gerne dabei zusieht, wie sie sich neu zu sortieren und beruflich zu orientieren versucht.


Die mitreißenden Tanzszenen sind ein Highlight Films.

„Hättest du Jura studiert, hättest du solche Probleme nicht“, sagt Anwalt Henri Gauthier (Denis Podalydès) zu seiner Tochter Élise (Marion Barbeau). Das sind nicht eben die passenden Worte für eine erfolgreiche Ballerina, deren Fuß nach einem Sturz so lädiert ist, dass sie vor dem beruflichen Aus steht. Ein bis zwei Jahre Pause nach einer drohenden Operation wären einfach zu lang für eine ambitionierte 26-jährige Tänzerin. Und dann hat ihr Freund auch noch eine andere. Was tun?

Statt lange mit dem Schicksal zu hadern, sieht sich Élise nach einem neuen Betätigungsfeld um. Schließlich schließt sie sich ihrer Ex-Kollegin Sabrina (Souheila Yacoub) und deren Freund Loïc (Pio Marmaï) an, die in der Bretagne für die Künstlerresidenz von Josiane (Muriel Robin) das Catering besorgen. Dort taucht alsbald die Modern-Dance-Compagnie des Israelis Hofesh Shechter (als er selbst) anlässlich eines Workshops auf. Élise ist fasziniert…

Liebe für das klassische und (!) das neue Ballett

Am Anfang steht eine lange, virtuos gefilmte Sequenz einer Ballettaufführung von „La Bayadère“. Das Finale glänzt mit reichlich modernm Tanz – von Hofesh Shechter selbst choreografiert. Dazwischen arbeitet Klapisch die Unterschiede der beiden Tanz-Spielarten immer wieder fein heraus. Während die Bewegungen beim klassischen Ballett oft in die Höhe streben, scheinen sie bei dessen zeitgenössischer Form eher erdverbunden. Auch das Frauenbild wird hinterfragt. Warum etwa sind weibliche Hauptfiguren bei den Klassikern häufig leidende Heldinnen? Doch dem Regisseur liegt es fern, das Alte gegen das Neue auszuspielen. Man merkt: Er liebt beides.

Überhaupt mag sich seine am klassischen Ballett geschulte Protagonistin so gar nicht in die Rolle einer tragischen Heldin fügen. Ohne ihre Weitertanz-Hoffnung gänzlich aufzugeben, nimmt sie die ihr vom Leben gestellte Herausforderung an. Dabei durchzieht Klapischs neues Werk eine ähnlich positive Grundstimmung wie zuletzt seinen Film „Der Wein und der Wind“, in dem drei Geschwister konstruktiv an der Lösung eines Erbschafts-Problems arbeiteten. Niemand meint es böse mit Élise. Weder geht es wie in vielen anderen Tanzfilmen um Rivalitäten, noch um finstere Abgründe wie etwa in Darren Aronowkys „Black Swan“. Der auch fürs Drehbuch mitverantwortliche Regisseur schaut einfach dem Leben bei der Arbeit zu.


Trotz des Dramas ist die Grundstimmung positiv.

Dass dies auf Dauer nicht langweilt, liegt zum einen an Klapischs leichthändiger Inszenierung. Immer wieder bringt er Humor ins Spiel. Vor allem in der Person des leidenschaftlichen Kochs Loïc, der schon mit milden Macho-Anwandlungen bei seiner Freundin auf teils heftigsten Widerspruch stößt. Schön sind auch die Sequenzen, in denen beherzte Gemüseschnippeleien mit Tanzszenen von Proben von Shechters Compagnie gegengeschnitten werden.

Und dann ist da ja auch noch die tolle Hauptdarstellerin. Tanzen konnte Marion Barbeau schon vorher. Schließlich ist sie seit 2018 Erste Tänzerin of the Balletts der Opéra national de Paris. Dass sie auch in einer großen Sprechrolle überzeugt, war indes nicht zwangsläufig zu erwarten. Is aber so. Mit natürlichem Charme, großer Ernsthaftigkeit und komplett ungezwungenem Spiel vermag sie auch das Kinopublikum zu fesseln.

Gefühle dürfen bei Klapisch nicht fehlen

Fast nebenher macht sich ihre Élise noch daran, das Verhältnis zu ihrem Vater auf eine neue Stufe zu stellen. Henri hat sich nach dem Tod seiner Frau, die Élises Tanzambitionen stets förderte, zwar redlich um seine drei Töchter gekümmert. Aber Einfühlsamkeit ist nicht unbedingt seine Stärke. Und Gefühle zu zeigen schon gar nicht. Doch in einem Klapisch-Werk lässt sich letztlich auch daran etwas drehen. Der emotionalste Moment des Films gehört jedenfalls dem Witwer.

Fazit: „Das Leben ein Tanz“ ist ein sich auf die Unwägbarkeiten des Lebens einlassendes Drama mit mitreißenden Tanzszenen, bei dem das Dramatische mehr und mehr in den Hintergrund rückt. Spätestens wenn die Handlung in dem bretonischen Künstlerresort angekommen ist, entwickelt der Film einen Flow, dem man sich gern hingibt.

Leave a Comment