Kampf gegen Inflation: Das bedeutet der historische Zinsentscheid der EZB für die Schweiz

Kampf gegen Inflation: Das bedeutet der historische Zinsentscheid der EZB für die Schweiz
Written by admin

Aktualisiert

Kampf gegen InflationDas bedeutet der historische Zinsentscheid der EZB für die Schweiz

Die Europäische Zentralbank hat den Leitzins um 0.75 Prozentpunkte angehoben. Das macht Sparen wieder attractiver. Und Immobilien könnten in der Schweiz wieder günstiger werden.

1 / 8

Die Europäische Zentralbank (EZB) will die hohe Inflation entschieden bekämpfen. Sie hat darum den Leitzins auf 1.25 Prozent erhöht.

REUTERS/Kai Pfaffenbach

Nun dürfte auch die Schweizerische Nationalbank mit einer weiteren Zinserhöhung folgen, sagt Karsten Junius, Chefökonom der Bank J. Safra Sarasin.  Denn sie sei daran interessiert, dass der Franken stark bleibe.

Nun dürfte auch die Schweizerische Nationalbank mit einer weiteren Zinserhöhung folgen, sagt Karsten Junius, Chefökonom der Bank J. Safra Sarasin. Denn sie sei daran interessiert, dass der Franken stark bleibe.

20min/Taddeo Cerletti

Ein starker Franken schwäche die Importpreise ab und helfe so im Kampf gegen die Inflation.

Ein starker Franken schwäche die Importpreise ab und helfe so im Kampf gegen die Inflation.

20min/Taddeo Cerletti

  • Nachdem die EZB den Zins erhöht hat, dürfte die Schweizerische Nationalbank bald nachziehen.

  • Denn die SNB wolle den Schweizer Franken stark halten, um die Inflation zu bekämpfen, sagt Karsten Junius, Chefökonom der Bank J. Safra Sarasin.

  • Die höheren Zinsen könnten dazu führen, dass die Preise für Schweizer Immobilien wieder sinken.

  • Bei Aktien sei wegen der Zinswende nun Vorsicht geboten, warnen Banken.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat den Leitzins um 0.75 Prozentpunkte erhöht. Sie folgt amit der US-Zentralbank Fed, die ihn ebenfalls um 0.75 Prozentpunkte anhob. Auch die Schweizer Nationalbank schraubte den Leitzins im Juni nach oben. Die Zentralbanken wollen so die hohe Inflation bekämpfen.

Die Redaktion hat mit Karsten Junius, Chefökonom der Bank J. Safra Sarasin, über die Zinserhöhung gesprochen. Er erklärt, was der höhere Leitzins für die Schweiz bedeutet.

Sparen wird wieder attractor

Mit der Zinserhöhung der EZB sei die Zeit der Negativzinsen (siehe Box) definitiv vorbei, sagt Karsten Junius, Chefökonom der Bank J. Safra Sarasin. Die Geschäftsbanken zahlten nun keinen Zins mehr, wenn sie Geld bei der Notenbank hinterlegten. Das mache Sparen für alle attraktiver, was die Wirtschaft abschwächen sollte.

Laute Kritik an Negativzinsen

In den letzten Monaten ist die Kritik an den Negativzinsen stark gewachsen. “Negativzinsen sind ein Unding, weil Geld dadurch keinen Wert mehr hat, was zu massiven Verzerrungen führt”, sagte zum Beispiel Matthias Geissbühler, der Investment-Chef von Raiffeisen Schweiz. Sparer erhielten so keine Zinsen mehr auf ihre Guthaben bei den Banken, während Personen mit Aktien oder Immobilien massiv profitierten.

“Je höher die Zinsen sind, desto weniger wird investert”, sagt Junius. Das helfe bei der Bekämpfung der Inflation. Die negativen Zinssätze der Vergangenheit gaben den Banken einen Anreiz, ihr Kapital in die Wirtschaft zu investeren, statt es bei den Zentralbanken zu lagern. Nun komme es zum gegenteiligen Effekt.

Price for Immobilien könnten sinken

Auf dem Schweizer Immobilienmarkt stelle sich nun die Frage, wie stark die Hypothekarzinsen ansteigen, sagt Junius. Er geht davon aus, dass sich die Preissteigerungen am Markt wegen der Zinswende bald abschwächen werden, da sich viele Menschen mit den höheren Zinsen die Immobilien gar nicht mehr leisten könnten.

Junius rechnet damit, dass die Schweizerische Nationalbank (SNB) der EZB nun folgen und den Leitzins ebenfalls deutlich erhöhen wird. Denn die SNB sei interessiert daran, dass der Schweizer Franken stark bleibe. So schwäche er die Importpreise ab und helfe im Kampf gegen die Inflation.

Folge die SNB mit einer weiteren Zinserhöhung, könnte das den Aufwärtsdruck auf die Mieten in der Schweiz verstärken. Denn die steigenden Zinsen dürften dazu führen, dass weniger gebaut werde. Für Schweizerinnen und Schweizer, die im Euro-Raum einkauften oder Ferien machten, habe der Zinsentscheid kurzfristig wohl keine grossen Auswirkungen. Yesterday sei die weitere Entwicklung des Euro-Franken-Kurses entscheidend.

Aktien verlieren an Attraktivität

Die Credit Suisse (CS) hat wegen der Zinswende bereits zu Vorsicht bei Investitionen in Aktien geraten. Sie geht davon aus, dass der Renditeausblick für Aktien in den nächsten Monaten klar negativ sein werde. Auch bei der Bank J. Safra Sarasin sei man vorsichtig, sagt Junius im Gespräch mit der Redaktion.

Die CS geht von einem weiteren Rückgang der Wirtschaft aus, zeigt sich für die Schweiz aber dennoch verhalten optimistisch: Der Unternehmenssektor sei robust und viele Haushalte hätten finanzielle Reserven. Aber auch die Schweiz sei vor weiteren Preissteigerungen oder einer Rationierung nicht geschützt.

EZB-Entscheid bremst Wirtschaft aus

“Die Zentralbanken haben ihren restriktiven Kurs weiter verschärft, was das Wirtschaftswachstum bremsen wird”, sagt die CS zur Strategie der Notenbanken. Dabei sei der Konsum jetzt schon rückläufig, der Preis für Gas and Energy hoch und die Kaufkraft der Verbraucherinnen und Verbraucher durch die Inflation geschwächt. Genau diese Inflation bekämpften die Notenbanken aber nun mit den Zinserhöhungen.

Die CS geht davon aus, dass das Bruttoinlandprodukt (BIP) dieses Jahr weltweit um 2,7 Prozent wachsen wird. Das BIP zeigt den Wert aller Dienstleistungen und Waren, die ein Land produziert. 2023 werde das Wachstum auf 1,7 Prozent schrumpfen – eine Rezession in Europa und Grossbritannien sei wahrscheinlich.

Keine News more verpassen

Mit dem täglichen Update bleibst du über deine Lieblingsthemen informiert und verpasst keine News über das aktuelle Weltgeschehen mehr.
Erhalte das Wichtigste kurz und knapp täglich direkt in dein Postfach.

Leave a Comment