Kambundji: «Ditaji macht vieles besser als ich – ich war weniger professionell»

Kambundji: «Ditaji macht vieles besser als ich – ich war weniger professionell»
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Kambundji-Schwestern«Ditaji macht vieles besser als ich – ich war weniger professionell»

Mujinga Kambundji (30) tritt an Weltklasse Zürich über 200 m an, ihre zehn Jahre jüngere Schwester Ditaji über 100 m Hürden. Wir haben die Geschwister zum Exklusiv-Interview getroffen.

Die beiden Schwestern sprechen über sich und ihre Rennen.

20min/ Taddeo Cerletti

  • Ditaji und Mujinga Kambundji nehmen gemeinsam an Weltklasse Zürich teil.

  • Die beiden Schwestern erhoffen sich eine gewaltige Stimmung im ausverkauften Stadion.

  • Wie die Geschwister im Exklusiv-Interview voirten, werden auch die Eltern vor Ort sein.

Was mögt ihr aneinander am meisten?

Ditaji Kambundji (20): Ihre Art und wie wir es zusammen lustig haben können. Dass wir uns sehr gut verstehen und einen ähnlichen Humor haben.
Mujinga Kambundji (30): Wir verstehen uns, auch wenn wir wirres Zeug reden. Wir brauchen keine grossen Erklärungen, weil wir ähnlich ticken, das ist sehr schön.

Was würdet ihr aneinander verbessern?

M: Das ist eine schwierige Frage (überlegt lange). Ich glaube, wir haben alle Aspekte, die man verbessern könnte. Es gibt aber nichts Spezifisches, das mich an ihr stört. Sie ist gut, so wie sie ist.
D: Ich sehe das auch so, wir haben alle unsere Ecken und Kanten. Wenn man sich schon so lange kennt, lernt man damit zu leben.

Welche Eigenschaft hättet ihr gerne von der anderen?

M: Was ich an Didi bewundere, ist, dass sie sehr mutig ist, sie traut sich extrem viel. Manchmal überlegt sie sich nicht viel und geht einfach drauflos. Da bin ich etwas zurückhaltender.
D: Alles, was sie sich mit ihrer Erfahrung angeeignet hat. Der Umgang mit dem grossen Drumherum, es ist nicht nur schnell rennen, sonder auch andere Dinge, die noch mehr Energie benötigen.

Wie ists es, der Schwester zuzusehen, wenn sie an einem Grossanlass eine Medaille holt?

D: Gut natürlich, ich habe mittlerweile schon etwas Erfahrung damit (lacht). Es ist jedes Mal unglaublich. Man ist noch nervöser, weil man nichts tun kann, man kann nur zuschauen. Für mich war es immer eine grosse Motivation, wenn Mujinga sich eine Medaille sicherte.
M: Für mich ist es ähnlich – es ist eine andere Nervosität, da man nicht selber auf der Bahn steht. Aber es ist unglaublich schön und ich bin extrem stolz, dass ich in München (Ditaji gewann EM-Bronze über 100 m Hürden, Red.) dabei sein und mit der Familie feiern konnte. Das macht alles nochmals spezieller.

In welcher Hinsicht ist der Altersunterschied von zehn Jahren zwischen euch am extremsten?

M: Man merkt es immer weniger, früher war der Unterschied noch viel grösser. Jetzt sind es vielleicht noch Trends, die ich zum Teil schon nicht mehr kenne.
D: Als ich noch in die Schule ging, merkte man das noch, da ich einen komplett anderen Alltag hatte. Aber es stimmt, was Mujinga sagt, je älter ich werde, desto weniger Unterschiede gibt es.

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Mujinga (l.) und Ditaji Kambundji rennen beide an Weltklasse Zürich am Donnerstag.

20min/Anna Bila

Die 30-jährige Mujinga wurde kürzlich Europameisterin über 200 m.

Die 30-jährige Mujinga wurde kürzlich Europameisterin über 200 m.

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Die Schwestern sind, wenn sie auf der Tribune der anderen zusehen, noch nervöser, als wenn sie selber laufen.

Die Schwestern sind, wenn sie auf der Tribune der anderen zusehen, noch nervöser, als wenn sie selber laufen.

20min/Anna Bila

Was macht Ditaji jetzt mit 20 schon besser als du damals Mujinga?

M: Was nicht? (lacht) Ich bin extrem beeindruckt, wie weit sie in diesem Alter bereits ist. Ich war damals noch nicht an diesem Punkt, ich war viel weniger professionell. Sie ist auch mental weiter, auch mit den Leistungen. Etwa das, was sie im Training zeigt, wie sie mit den Medien umgeht – sie macht viele Dinge sehr, sehr gut.

Mujinga holte EM-Bronze mit 24, Ditaji nun bereits mit 20. Hat das auch damit zu tun?

M: Ich denke, ja. Sie wurde viel früher professionell, sie begann früher mit dem Gedanken, dass sie an einen Event geht, um eine Medaille zu holen. Bei mir kam das erst mit den Jahren. Das alles hat sicher dazu beigetragen, dass sie früher Erfolg hat oder auch anders mit dem Erfolg umgeht, sich viel höhere Ziele setzt.

Bei Weltklasse Zürich steht ihr beide am Start – inwiefern macht es das noch spezieller?

D: Ja, das ist immer cool. Auch für unsere Eltern, die nun gleich zwei Töchtern zusehen können. Für uns beide ist es schön, dass wir uns diese Woche vor Weltklasse Zürich teilen. Wir haben gemeinsame Termine, gehen zusammen essen.
M: Ich sehe das ähnlich. Ich kenne das halt bisher alleine, für mich ist es darum noch schöner, wenn ich das mit der Schwester oder der ganzen Familie teilen kann – und nicht nur am Abend des Meetings, sondern die ganze Woche durch.

Unterhaltet ihr euch noch zwischen euren Rennen?

M: Wir haben beide unsere eigenen Abläufe. Vielleicht treffen wir uns noch oder auch nicht, das kommt ganz darauf an, wo wir uns gerade befinden. Aber spätestens nach dem Wettkampf tauschen wir uns aus. Aber es kann vorkommen, so wie in Lausanne, dass ich ihr Rennen nicht sehe. Dort haben wir beide unser eigenes Ding durchgezogen, weil es wegen des Zeitplans gar nicht anders ging.

Welche ist die beste Erinnerung, die ihr zusammen von einem Event habt?

D: In Paris waren wir im Winter an einem Indoor-Meeting und ich habe meinen ersten Schweizer Rekord in der Halle aufgestellt und Mujinga hat mit einer sehr guten Zeit gewonnen. Von diesem Wettkampf sind wir beide voller positiver Gefühle wieder heimgereist.

Was erhofft ihr euch vom Donnerstag vor ausverkauftem Haus am Weltklasse Zürich?

M: Es ist jedes Jahr eine unglaubliche Stimmung und wir geniessen es jedes Mal extrem. Ich glaube, viele Leute freuen sich, Schweizer Athletinnen sowie Athleten zu sehen, und wir freuen uns ebenfalls auf diesen Wettkampf.
D: Für mich ist alles immer noch so neu und wow! Auch ich freue mich extrem auf das gute Publikum. Ich hoffe, dass es möglichst laut wird.

Wenn ihr beide im Letzigrund einen Sieg feiern würdet, wie gross wäre die Party?

M: Dann gibt es eine riesige Party … nein, ich weiss es nicht genau. Aber die Saison geht halt noch weiter, wir sind am Montag in Bellinzona am Start. Es gibt am Saisonende aber sicher eine fette Party.

Mujinga Kambundji nur über 200 m

Im Letzigrund kommt es am Donnerstagabend im 200-m-Lauf (um 21.42 Uhr live bei uns im Ticker) zum Showdown zwischen Weltmeisterin Shericka Jackson und Europameisterin Mujinga Kambundji. Die 30-jährige Schweizerin, die Anfang des Jahres auch Indoor-Weltmeisterin wurde, legt nach einer langen Saison den vollen Fokus auf ihre aktuelle Paradestrecke und verzichtet auf einen Start über 100 m.

Mujinga Kambundji: “Meine Saison war trotz vieler Höhepunkte sehr lang – daher fokussiere ich mich voll auf die 200 m und will das Optimum rausholen.” Ditaji Kambundji startet um 19.25 Uhr über 100 m Hürden. (hua)

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