„High Noon“: Wie ein Western Amerikas Seele auf die Leinwand brachte

„High Noon“: Wie ein Western Amerikas Seele auf die Leinwand brachte
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Tagus Kopf „High Noon“

Einer gegen alle – dieser Western zeigt Amerikas ganze Seele

Eigentlich hatte „Zwölf Uhr Mittags“ nur ein kleines Budget. Doch der Western von Fred Zinnemann, der im Juli 1952 Premiere feierte, übersetzte den amerikanischen Glauben an das Individuum in Bilder. Das lag vor german an Gary Coopers Rolle.

Dem Marshal der kleinen Stadt Hadleyville bleibt kaum Zeit, Mitstreiter zu finden: Will Kane will sich dem Killer Frank Miller entgegenstellen, der mit dem Zug um zwölf Uhr mittags in der Stadt ankommen wird.

Kane hatte Miller einst ins Gefängnis gebracht, aber der Verbrecher ist begnadigt worden, und alle wissen, dass er auf Rache aus ist; nicht besser macht es für den Marshal, dass bereits drei Komplizen Millers in der Stadt herumlungern.

2-F81-Z8 (83809) 'Zwölf Uhr mittags' Filme / Einzeltitel: 'Zwölf Uhr mittags' (High Noon) (USA 1952; Regie: Fred Zinnemann; Buch: Carl Foreman; mit Gary Cooper, Grace Kelly, Katy Jurado ua ).  - Plakat.  - Graphics: Dill.  Druck: Winterdruck Heidelberg.

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Kane hat nun eine Stunde, um Männer um sich zu scharen, doch weder in der Kirche noch im Saloon oder beim Bürgermeister findet er sie. Sein Deputy würde nur mitmachen, wenn er selbst Sheriff wird. Ein alter Trinker und ein 14-jähriger Junge halten ihm die Treue, doch auf die kann Kane natürlich nicht zurückgreifen. Er ist ganz auf sich gestellt.

Wenn es einen Glauben gibt, der die USA im Innersten zusammenhält, dann ist es der an das Individuum. Diesen Glauben in einem Film anschaulich gemacht zu haben, das ist die Leistung des Westerns „High Noon“. Der Film, der mit deutschem Titel „Zwölf Uhr mittags“ heißt, zählt deshalb auch Jahrzehnte nach der Premiere am 24. Juli 1952 zu den besten Werken des Genres. Seine Dynamik ergibt sich auch daraus, dass die erzählte Zeit des Films der realen Zeit entspricht, zumindest ungefähr: Der Film setzt ein um 10.35 und hört um 12.15 auf.

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Zu Beginn heiratet Kane – dargestellt von Gary Cooper – die Quäkerin Amy (Grace Kelly). Sie hat sich der Gewaltlosigkeit verschrieben, auch weil ihr Bruder und ihr Vater Opfer eines Gewaltverbrechens wurden. Der Marshal will eigentlich am selben Tag mit ihr abreisen, doch sein Nachfolger wird erst am nächsten Tag eintreffen. Noch nie sei er vor jemandem davongelaufen, sagt Kane und kehrt wieder zurück, um sich dem Kampf zu stellen, während Amy auf den Zug wartet.

Fred Zinnemann, ein österreichisch-stämmiger Regisseur, hat den Film in wenigen Wochen im September und Oktober 1951 gedreht, für das damals eher karge Budget von 800.000 Dollar. Bei der Besetzung hatte er eine glückliche Hand: Cooper spielte den Marshal für eine Gage deutlich unterhalb seiner üblichen, und Zinnemann entdeckte die erst 21-jährige Grace Kelly für ihre erste wichtige Hauptrolle. Kelly stieg in den 50er-Jahren bei unter Alfred Hitchcock zum Star auf, bevor sie Fürst Rainier von Monaco heiratete und zu Gracia Patricia wurde.

Ein Glücksgriff war auch Kameramann Floyd Crosby, der den Schwarzweiß-Film gegen die damaligen Konventionen des Genres fotografierte: Die Kameraleute der 50er-Jahre nahmen den Himmel – durch Rotfilter – meist dunkel auf, doch die Szenerie in „High Noon“ ist in ein unbarmherziges Gleißen getaucht. Auch das kann man als eine Parabel deuten: Drehbuchautor Carl Foreman gehörte in den 30ern der Kommunistischen Partei der USA an, wurde vor den „Ausschuss für unamerikanische Umtriebe“ des Senators McCarthy geladen und verweigerte im September 1951 die Aussage.

Gary Cooper "Zwoelf Uhr mittags" Film / Einzeltitel: "Zwoelf Uhr mittags" (High Noon) (USA 1952; Regie: Fred Zinnemann; Buch: Carl Foreman).  - Szene put Gary Cooper.  -

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Regisseur Zinnemann hielt zu ihm, wie auch der konservative Cooper. Aber im Jahr 1953 begab sich Foreman ins Exil nach Großbritannien. So kann man sein Drehbuch auch als eine Allegorie auf die Kommunistenverfolgung der McCarthy-Ära lesen – und auf die schweigende Mehrheit, die dieses System mitgetragen hat. Ungewöhnlich für die Zeit war auch Grace Kellys Part: Die Figur der Amy in „High Noon“ ist zwar nur eine Nebenrolle, aber eine, die wächst.

Sie besucht Kanes frühere Freundin Helen Ramirez (Katy Jurado), und sie wird in den ungleichen Kampf eingreifen, den Sheriff Kane gar nicht so offen im Sinn eines Shootouts führt, wie wir ihn aus anderen Western kennen. Von hinten erschießt Amy einen der Banditen, als der gerade seinen Revolver lädt. Und als Miller sie als Geisel nimmt, greift sie ihm in die Augen, damit Kane ihn erschießen kann.

Am Ende wirft Kane seinen Stern in den Staub und fährt mit Amy in der Kutsche davon, während der von Dimitri Tiomkin komponierte Song „Do not Forsake Me“ (Verlasse mich nicht) erklingt – das musikalische Leitmotiv des Films. Marshal Kane war den Kugeln der Banditen nur knapp entwichen, zwischendurch lag er auch am Boden – aber er war wieder aufgestanden und hatte die Gangster besiegt.

ZWÖLF UHR MITTAGS GARRY COOPER, GRACE KELLY Regie: FRED ZINNEMANN aka.  High Noon / ZWÖLF UHR MITTAGS USA 1952

Am Ende wird das Gute siegen: Gary Cooper mit seiner Filmpartnerin Grace Kelly als Quäkerin in “Zwölf Uhr Mittags”

What: picture alliance/United Archives

Tiomkin hat dafür einen Oscar bekommen und Gary Cooper einen als bester Schauspieler. Den hat übrigens John Wayne stellvertretend bei der Zeremonie 1952 entgegengenommen – der Mann, der als Präsident der antikommunistischen „Motion Picture Alliance for the Preservation of American Ideals“ maßgeblich für die Hetze gegen Foreman verantwortlich war. Auch er gilt den Amerikanern bis heute als Symbol für ein Individuum, das alleine mit sich und den Problemen der Welt fertig wird.

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