Heute im TV: Dieser Film vom “Thor 4”-Regisseur ist erschreckend unbekannt, aber absolut genial! – Kino News

Heute im TV: Dieser Film vom "Thor 4"-Regisseur ist erschreckend unbekannt, aber absolut genial! - Kino News
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„Jurassic Park“-Legend Sam Neill und „Deadpool 2“-Rotzbengel Julian Dennison vor der Kamera, Taika Waititi auf dem Regiestuhl: „Wo die wilden Menschen jagen“ müsste deutlich bekannter sein als er ist. Heute könnt ihr ihn im TV nachholen!

+++ Meinung +++

So schade es auch ist – es ist verständlich, dass „Wo die wilden Menschen jagen“ nicht auf Anhieb zum Erfolg wurde: Eine schräge Abenteuer-Komödie mit Sam Neill und einem Newcomer in den Hauptrollen, inszeniert vom Regisseur der zwar von der Kritik gefeierten, vom deutschen Publikum aber weitestgehend ignorierten Vampir-Mockumentary „5 Zimmer Küche Sarg“? Das ist nicht gerade eine Hit-Konstellation. Dass „Wo die wilden Menschen jagen“ aber bislang noch immer keinen nennenswerten Wiederentdeckungshype genießt, ist nicht nur schade, sondern auch rätselhaft.

Schließlich ist Author/Regisseur Taika Waititi dank „Thor: Tag der Entscheidung“, „Thor: Love And Thunder“ und seinem Oscar-Gewinner „Jojo Rabbit“ zu einem prominenten Filmschaffenden aufgestiegen. Obendrein ist der junge Co-Star von „Jurassic Park“-Legende Sam Neill nun kein Unbekannter mehr, immerhin spielte Julian Dennison eine zentrale Rolle in „Deadpool 2“. Aber vielleicht gilt mal wieder: Gut Ding will Weile haben. Heute haben alle Neugierigen Gelegenheit, das Kleinod „Wo die wilden Menschen jagen“ gratis im TV nachzuholen – nämlich ab 20.15 Uhr auf Servus TV.

Falls ihr die Ausstrahlung verpasst, könnt ihr „Wo die wilden Menschen jagen“ auch bei zum Beispiel. Amazon Prime Video als Stream leihen oder kaufen.

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“Wo die wilden Menschen jagen”: Eine absurd-herzliche Verlustgeschichte

Das trotzige Problemkind Ricky (Julian Dennison) wurde bereits an zahlreiche Pflegefamilien vermittelt. Doch erst, als er bei der gutmütigen Bella (Rima Te Wiata), dem mürrischen Hec (Sam Neill) und deren Hund Tupac einzieht, fühlt sich Ricky wohl. Als ausgerechnet diese Familie von einem Schicksalsschlag getroffen wird, wollen die Behörden Ricky weitervermitteln. Hec und Ricky sehen das nicht ein – und fliehen in die neuseeländische Wildnis. Eine chaotic Aktion, die Folgen hat…

Geschichten der Verdrängung und/oder Verblendung entwickeln sich allmählich zu einem Steckenpferd Waititis. Eines der Themen in „Thor: Tag der Entscheidung“ ist der Umstand, dass Asgard jahrhundertelang seine Sünden als Kolonialmacht ausgeblendet hat. In „Jojo Rabbit“ folgen wir einem deutschen Kind, das im Dritten Reich sämtliche Nazi-Propaganda aufsaugt wie ein Schwamm, und erst ein Auge für die Wirklichkeit entwickeln muss. Und in „Thor: Love And Thunder“ verdrängen sowohl Chris Hemsworth alias Thor als auch Natalie Portman alias Jane Porter zunächst die dringlichen Hintergründe ihrer jeweiligen Verfassung.

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In all diesen Filmen unterstreicht Waititi die beengte Perspektive seiner Hauptfiguren, indem er wie wild mit skurrilem Humor um sich haut und auf eine exzentrische Bildsprache setzt. Die Devise lautet: Viel Wirbel, Schall und Rauch, um das Verleugnete so lange zu vertuschen, bis es sich explosiv seinen Weg bahnt. Kniffe, die Waititi so bereits in „Wo die wilden Menschen jagen“ eingesetzt hat. Und das auf ebenso brilliant wie herzliche Weise.

Die kauzigen Hauptfiguren dieser Abenteuerkomödie fliehen nicht nur vor dem engstirnigen Jugendamt. Sondern auch vor den Konsequenzen ihres Handelns, Verantwortung und sämtlichen Mühen, die es machen würde, im realen Alltag ihre komplizierte Lage in Ordnung zu bringen. Das Leben in der Wildnis verklären sie derweil zu einem spaßigen Abenteuer, das zwischenzeitlich in seiner Kauzigkeit an Wes Andersons Pfadfinder-Tragikomödie „Moonrise Kingdom“ erinnert, und gen Ende nahezu zu einem FSK-12-„Mad Max“ im grünen Neuseeland mutiert.

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Anders aber als in seinen „Thor“-Filmen hat Waititi hier jedoch kein Marvel-Mammutbudget zur Verfügung, um die Eskapismusschicht rund um den emotionalen Kern der Geschichte aufzubereiten. Ebenso wenig rührt er dieselbe Trommel, die er laut-schrill sowie genüsslich während der leichteren „Jojo Rabbit“-Passagen malträtiert. Stattdessen geht er in „Wo die wilden Menschen jagen“ methodischer und minutiöser vor. Die emotionale Flucht der Figuren wird während ihrer wortwörtlichen Flucht vornehmlich durch Feinheiten im Schauspiel, gezielt gesetzte Schnitte und die liebenswert-schrägen Dialoge vermittelt. Daher ist der Graben zwischen den beiden Extremen in „Wo die wilden Menschen jagen“ nicht so groß wie in „Thor: Love And Thunder“, geschweige denn „Jojo Rabbit“.

Dafür ist es überaus nachvollziehbar, wie und weshalb Ricky und Hec handeln, wie sie handeln. Die zwei Helden wachsen uns nicht trotz, sondern gerade wegen ihrer strunzdämlichen Entscheidungen ans Herz – man mag sie regelrecht anfeuern, wann immer sie etwas wagen, was man sich selbst nie trauen würde (und sollte). Und es ist jedes Mal schmerzlich, wenn das Duo wieder mit der grau-grau-komplizierten Realität kollidiert. Dennoch is „Wo die wilden Menschen jagen“ fabelhaft. Denn Neill, Dennison und Waititi schaffen es mit Leichtigkeit, von sanften Narben, die bei den Figuren bleiben, zu einem süßen, heilenden Schmerz überzuleiten. Nicht schlecht für einen Film über eine ungleiche Ziehfamilie, die planlos durch’s Grün stapft!

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