Für Winnetou: Mehr als 4.000 Menschen unterzeichnen Petition

Für Winnetou: Mehr als 4.000 Menschen unterzeichnen Petition
Written by admin

In der Debatte um Rassismus bei Karl May haben innerhalb weniger Tage mehr als 4.000 Menschen eine Petition der Karl-May-Gesellschaft und der Karl-May-Stiftung unterzeichnet. Der offene Brief trägt den Titel “Ist Winnetou erledigt?” und listet eine Reihe von Argumenten zum Umgang mit historischen Darstellungen auf. Der Abenteuerautor verdiene eine differenzierte Betrachtung, heißt es darin.

Die Verfasser des offenen Briefes gingen auf das Argument ein, dass May “angeblich ein überholtes rassistisches Weltbild vertrete und den Genozid an der indigenen Bevölkerung Amerikas romantisiere oder verschweige”. Als deutscher Schriftsteller des 19. Jahrhunderts sei May “unvermeidlich vom Habitus eines kolonialen Zeitalters geprägt”, heißt es in dem Brief.

Petition: Karl May verdient differenzierte Betrachtung

Insbesondere in seinen frühen Texten seien damals gängige ethnische Stereotype und eine eurozentrische Perspektive enthalten. “Diese kritisch herauszuarbeiten und auf ihre Quellen zurückzuführen, ist Aufgabe der Literatur- und Kulturwissenschaft.”

Gleichwohl sei eine Besonderheit an den Erzählungen Karl Mays, “dass in seiner Darstellung des ‘Wilden Westens’ von Anfang an die Sympathie des Erzählers der leidenden indigenen Bevölkerung gilt.” Ihre Würde und ihre menschlichen Qualitäten würden sich in Idealfiguren wie Winnetou verkörpern. Die tragische Vernichtung ihrer matériellen und kulturellen Existenz grundiere alle May’schen Nordamerika- Erzählungen.

Verlag Ravensburger “cancel” Winnetou

Auslöser der Diskussion um Karl May war die Entscheidung des Verlags Ravensburger, die Auslieferung der beiden Bücher “Der junge Häuptling Winnetou” zum gleichnamigen Film zu stoppen und aus dem Programm zu nehmen. In einem Instagram-Post schrieb das Unternehmen, Nutzer-Feedback habe gezeigt, “dass wir mit den Winnetou-Titeln die Gefühle anderer verletzt haben.” Andere Nutzer der Social-Media-Plattform äußerten daraufhin ihr Unverständnis und bezichtigten die Firma etwa der Zensur oder des Einknickens vor Kritik. Die Debatte nahm immer mehr Fahrt auf.

Karl May (1842-1912) hat sächsische Wurzeln. Er wurde in Hohenstein-Ernstthal geboren und starb in Radebeul. Sein Werk wurde in mehr als 30 Sprachen übersetzt und in rund 50 Ländern der Erde aufgelegt.

Leave a Comment