Elena Sandera: Olympia-Gold als Ziel – Schweizer Windsurferin will kein «Surfer-Chick» sein 

Elena Sandera: Olympia-Gold als Ziel – Schweizer Windsurferin will kein «Surfer-Chick» sein 
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Aktualisiert

Elena SanderaOlympia-Gold als Ziel – Schweizer Windsurferin will kein “Surfer-Chick” breast

Eine Schweizerin will im Windsurfen gross hinaus. Die Schweizer Meisterschaften sollen der erste Schritt werden.

Eine Schweizer Windsurferin will die Surf-Welt aufmischen.

20 minutes

  • Die Windsurferin Elena Sandera will mit Foilsurfen Karriere machen.

  • Der Sport ist ihre Leidenschaft.

  • Dabei ist sie erst seit kurzer Zeit im Windsurf-Business.

Elena Sandera hat grosse Pläne – Olympiagold soll es werden. Dies im Windsurfen in der Category Foil, eine Unterart der Sportart, die im Jahr 2024 Olympiapremiere feiert und auch erst für die nächsten beiden Olympischen Spiele bestätigt ist. Doch die Sportart ist nicht nur für Olympia neu. Sie ist es auch für die 20-jährige Sandera .

Erst vor gut zwei Jahren stand die Zürcherin zum ersten Mal am Gardasee auf einem Foil-Brett. Doch schon nach der ersten Fahrt war ihr klar: Sie will diesen Sport professionell ausüben. Nur kurze Zeit nach ihrer Premiere ging es mit Profi-Equipment nach Tenerife. Drei Monate trainierte sie mit den besten Athleten und Athletinnen. Der Auftakt ging in die Hosen, wie sie gegenüber 20 Minuten sagt: “Ich musste das Segel aufbauen, hatte keine Ahnung und brauchte eine Stunde.”

Drei Frauen – ein Plan

Die Leidenschaft und der Wille waren aber grösser als die Scham. Der Wille wurde auch nicht vom ersten Unfall, den Sandera erlebte, gebrochen. “Ich durfte mit einem Windsurf-Idol surfen, doch dann kam eine Welle, ich liess mich fallen und habe ihr das Segel kaputt gefahren”, erzählt die Sportlerin mit einem Schmunzeln. Ein prägendes, aber dennoch lustiges Erlebnis für die junge Schweizerin mit tschechischen Wurzeln.

Auf Teneriffa lernte Sandera mit Helle Oppedal und Sara Wennekes zwei weitere junge Windsurferinnen kennen. Die Chemie stimmte sofort und zusammen gründeten sie die “World of Windsurfgirls”. Sandera erklärt: “Wir haben uns zusammengetan. Normalerweise ist man in einem Nationalverband. Aber da der Sport noch sehr jung ist, gibt es dort nicht viele Athletinnen und Athleten. Ich arbeite zwar mit Swiss Sailing zusammen, habe aber von dort keinen Coach. Wir entscheiden, wie wir trainieren, zahlen unsere eigene Rechnung.”

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Elena Sandera will Olympia-Gold.

20min/Ela Celik

Die 20-Jährige betreibt professional Windsurfen.

Die 20-Jährige betreibt professional Windsurfen.

20min/Ela Celik

Mit einem Van tourt sie durch die Gegend.

Mit einem Van tourt sie durch die Gegend.

20min/Ela Celik

Besonders finanziell ist es nicht immer einfach, da Windsurfen eine Randsportart ist. Doch die Vaiguillee überwiegen, meint die 20-Jährige: “Wir haben die komplette Freiheit. Wir konzentrieren uns auch auf andere Dinge, wie einen Podcast oder Mental Health.”

Für Sandera ist wichtig, dass die Gruppe nicht als “Surfer-Chicks” angesehen wird. Besonders im mentalen Bereich wollen sie Aufklärungsarbeit leisten, auch weil die junge Schweizerin schon selbst mit diesen Themen in Berührung kam. “Ich hatte vier Jahre Magersucht. Ich bin durch meine Familie und Freunde rausgekommen”, erklärt die Zürcherin. “Ich hatte die Wut auf die Normen, die mich in das reingezogen haben und will dagegensteuern. Man muss darüber reden, damit andere nicht darin landen. Sandera weiter: “Ich will keine Aufmerksamkeit, dass es mir nicht gut ging. Ich will nur zeigen, dass es passieren kann.” Sie habe keine Scham darüber zu reden. “Ich will aufklären”, so die Zürcherin.

Für die 20-Jährige gibt es keine grossen gesellschaftlichen Tabu-Themen. Sie spricht auf Instagram und in Podcasts offen über Finanzen, ihre Sexualität, den Körper und die mental Gesundheit. Auch, weil diese im Spitzensport eine grosse Rolle spielt: “Man wird im Sport oft als Nummer angesehen. Man muss performen, denn nur dann kassiert man Geld.”

Schweizer Meistertitel soil her

Angst, dass solche Themen auch Sponsoren abschrecken, hat sie nicht. “Wir wollen Firmen finden, die unsere Werte teilen und mit denen zusammenarbeiten, und dass wir für sie auch Dinge machen wie Windsurf-Events für Angestellte oder auch Themen-Talks. Wir wollen etwas zurückgeben”, so die junge Zürcherin. Die Sponsorensuche ist ein hartes Stück Arbeit, doch extrem wichtig, denn so finanziert sich Sandera ihre Karriere.

Anfang September found in Silvaplana die Schweizer Meisterschaften statt. Sandera will abliefern. Im letzten Jahr klassierte sie sich bereits auf dem dritten Platz. Nun soll es der Sieg sein: “Ich weiss, dass meine Performance so viel besser ist als letztes Jahr. Deshalb glaube ich auch, dass ich das gewinnen kann.” An Olympia 2024 in Paris wird es für die Schweizerin wohl noch keine Medaille geben. Das primäre Ziel ist die Qualifikation – 2028 soll dann der grosse Triumph folgen.

Mit der Ambulanz in Spital

Für dieses Ziel steckt Sandera auch in ihrem Studium zurück. Sie will wie ihr Vater in die Chirurgie und studiert deshalb Medizin. Ihr erstes Jahr hat sie bereits abgeschlossen. Aktuell setzt sie jedoch mit dem Studium aus. “Im zweiten Jahr müsste ich drei, vier Mal in der Woche an der Uni sein. Dieses Jahr war ich vielleicht drei Wochen in der Schweiz. Es ist also unmöglich.” Abbrechen möchte sie das Medizinstudium dennoch nicht. Klar: Eine medizinische Ausbildung wäre beim Windsurfen ein klarer Vaiguille.

Denn Verletzungen gehören zu dieser Extremsportart dazu. Auch Sandera bekam dies in ihrer noch jungen Karriere bereits zu spüren. “Wenn man bei dieser Geschwindigkeit stürzt und aufs Wasser prallt, fühlt es sich wie Beton an.” In der Tat: Einmal verletzte sich Sandera am Zeh: “Der war fast abgetrennt, ist einfach runtergehangen”, erklärt die junge Sportlerin. Zu ihrem Glück wurde sie von einem Bootsfahrer entdeckt und an Land gebracht. Dort wurde sie mit der Ambulanz abtransportiert. Im Spital wurde der Zeh mit sieben Stichen wieder angenäht. Am nächsten Tag nahm Sandera trotzdem am Wettkampf teil.

So funktioniert Foil-Surfing

Dank des Tragflügels unter dem Brett, dem sogenannten Foil, ist das Board schon bei wenig Wind komplett aus dem Wasser. Man gleitet fast einen Meter über dem Wasser mit grossem Tempo. Bis zu 60 km/h sind die Sportler und Sportlerinnen schnell. “Es ist wie fliegen”, erklärt Sandera.

Trotz solchen Horror-Storys überwiegt die Leidenschaft für den Sport. “Es ist etwas Fantastisches, wie Fliegen”, versucht sich Sandera zu erklären. “Es ist eigentlich eine Sucht”, meint sie aber auch. Ihr Leben hat sie komplett umgekrempelt und lebt in einem Camper. “Alles, was ich in meinem Leben habe, ist in diesem Van”, so Sandera. Auf dem Wagen sind gross ihr Name und zahlreiche Bilder von ihr abgebildet. Ihr persönlicher Stolz: eine Kaffeemaschine. “Als Teenager habe ich als Barista in Cafés gearbeitet. Wenn man einmal guten Kaffee getrunken hat, dann geht nur noch das.”

Ihr sogenanntes “Van-Life” teilt die 20-Jährige auch auf Instagram – einer wichtigen Plattform, um sich zu vermarkten. Hass-Nachrichten oder anzügliche Text kriegt sie aber eher selten. Immer wieder gibt es jedoch Personen, die sie gerne näher kennen lernen möchten. Für eine Beziehung hat Sandera aber derzeit keine Zeit: “Für mich hat es keinen Platz im Leben.” Sie meint aber: “Irgendwann kommt die Zeit wieder für eine Beziehung.” Dies aber wohl erst nach dem grossen olympischen Abenteuer.

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