„Die Känguru-Verschwörung“ im Kino: Best-of vom Beuteltier – Kultur

„Die Känguru-Verschwörung“ im Kino: Best-of vom Beuteltier - Kultur
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Spätestens seit den Marvel-Filmen bleiben die Leute ja so lange im Kino sitzen, bis die Lichter angehen oder das Personal sie aus dem Saal herausfeudelt. Das liegt daran, dass in den Filmabspännen immer ein oder zwei Hinweise versteckt sind, wie es in der Fortsetzung weitergehen könnte. Post-Credit-Szenen nennt man diese Einsprengsel, in der deutschen Kinokomödie “Die Känguru-Chroniken” aus dem Jahr 2020 gab es gleich mehrere davon. In einer sieht man einen Königspinguin im Chefsessel, was im Kinosaal damals große Begeisterung auslöste. Schließlich ist der Pinguin in den Buch- und Comicvorlagen von Marc-Uwe Kling der Konkurrent des kommunistischen Kängurus aus Berlin-Kreuzberg. Und wäre der Film eine US-Produktion, hieße er wohl “Känguru vs. Pinguin – Bandgame”, mit zwei Nirvana beziehungsweise Nickelback horenden Tieren.

Heißt er aber nicht, in Berlin gelten andere Regeln als in Hollywood: Die Macher von “Die Känguru-Verschwörung”, so der wahre Titel dieser Fortsetzung, haben sich für die Punkrock-Interpretation der Pinguin-Post-Credit-Szene entschieden. Ihre Ankündigung von vor zwei Jahren ist ihnen also ziemlich schnurz. Wer auf einen watschelnden Antagonisten aus der Antarktis hofft, kann so lange warten, bis er aus dem Saal gefeudelt wird. Das Drehbuch schrieb wieder Marc-Uwe Kling (gemeinsam mit Jan Cronauer), der geneigte Känguru-Connaisseur wird darin viel Schönes und Bekanntes entdecken. Es basiert nicht auf dem zweiten Teil der vierbändigen Känguru-Buchreihe, vielmehr ist es ein lose gestricktes Best-of aus dem Beuteltier-Universum.

Das natürliche Habitat dieses Kängurus ist der Sketch. Im Kino funktioniert das nur bedingt

Das ist lustig, außer vielleicht für Verschwörungsdeppen, Klimawandel-Leugnerinnen, Reichsbürger oder Russlandfreunde. Denn der Film hat eine klare politische Haltung. Er ist aktuell und bezieht sich auf den ganzen Wahnsinn, den wir allabendlich in den Nachrichten sehen. Das kommt im Kino eher selten vor, in Komödien noch seltener. Dimitrij Schaad spielt wieder den zur Filmfigur gewordenen Kleinkünstler Marc-Uwe, auch Rosalie Thomass, Volker Zack, Daniel Zillmann und Carmen-Maja Antoni sind wieder dabei. Eine Bereicherung ist der stets sehr lässige Österreicher Michael Ostrowski, der mitunter sogar dem animierten Känguru die Show stiehlt. Nebenbei feuert der Film die Gags im Minutentakt heraus, was man im deutschen Kino auch eher selten erlebt.

Marc-Uwe Kling hat nicht nur das Drehbuch geschrieben, er spricht das Beuteltier auch. Sogar die Regie übernahm er (gemeinsam mit dem erfahrenen Editor Alexander Berner), was eher eine mittelgute Idee war: Der Regiedebütant hat zwar unglaublich viele Ideen, er vereint Slapstick mit Sitcom-Humor, Sprachakrobatik mit Social-Media-Kritik, hetzt aber rastlos von einem Gag zum nächsten und verliert dabei die Figuren sowie das große Ganze aus dem Blick. Das natürliche Habitat dieses Kängurus ist der Sketch, die satirische Pointe. Im Kino funktioniert das leider nur bedingt, vor lauter Irrsinn und anarchistisch-absurden Gags zerfällt der Film in seine Einzelteile.

Die Känguru-Verschwörung, D 2022 – Regie: Marc-Uwe Kling. Mit: Dimitrij Schaad, Rosalie Thomass, 96 Minuten, X Verleih. Kino start: 25. August 2022

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