„Der Vater der Braut“ im Kino: Qualverwandtschaften – Kultur

„Der Vater der Braut“ im Kino: Qualverwandtschaften - Kultur
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Die Geschichte geht immer zurück auf denselben Roman: Edward Streeters “Father of the Bride” erschien 1949 und erheiterte die Eltern Amerikas immens. Er legte Generations- und andere familiäre Konflikte bloß, ausgetragen bei der Organization einer Hochzeit. Schon im Jahr nach der Veröffentlichung hat Vincente Minnelli das Buch mit Spencer Tracy und Elizabeth Taylor verfilmt. Es folgte eine TV-Serie in den Sechzigern. Ein Remake mit Steve Martin Anfang der Neunziger. Die Fortsetzung des Remakes with Steve Martin. Ein paar sehr ähnliche Stoffe mit anderem Titel, und jetzt, gute 70 Jahre später, kommt die nächste Version von “Der Vater der Braut”. Das Thema scheint zu halten.

Diesmal spielt Andy García die Titelrolle, und sämtliche Ereignisse sind im Milieu der Exilkubaner in Miami angesiedelt, was sich als kluger Schachzug erweist. Denn Regisseur Gaz Alazraki will Beistand, um die Grundidee zu aktualisieren: Obwohl die Welt offenbar immer noch voll genug ist mit Freunden der aufwendigen Hochzeit, gibt er noch eine fette Dosis Patriarchat dazu. Mit den Klischees der lateinamerikanischen Kultur kann er den Heiratspomp großzügig steigern, praktischerweise aber auch das ganze Machogetue der Männer samt der Verteidigungsstrategien der Frauen. Er kann eine traditionsverhaftete ältere Generation neben eine durchamerikanisierte jüngere stellen und schließlich, das ist eine neue, entzückende Eigenart, lädt er den Dialog mit Temperament auf, indem er öfter mal Spanisch einstreut.

Der künftige Schwiegersohn mag keinen Sport und keine Stripperinnen. Oh I

Man kann in diesem Film tatsächlich viel lachen, manchmal etwas genervt ob der patriarchalischen Übergriffe der Hauptfigur, manchmal trotzdem gerührt von ihr. Die Hauptfigur, Billy Herrera, hat es schließlich nicht leicht. “Mit nichts in der Tasche” sei er aus Kuba gekommen, das erzählt er pausenlos. Er hat sich ein eigenes Business aufgebaut, dazu kamen Frau, Kinder, Reichtum, Ansehen. Jetzt allerdings bricht sein american dream zusammen. Denn Ingrid, die Gattin, will die Scheidung, Sofia, die ältere Tochter, will irgendeinen New Yorker heiraten, Cora, die jüngere, will nicht aufs College, sonern Kohle auf Pump vom Papa, und selbstverständlich passiert das alles gleichzeitig.

Billy Herrera, das kann man dazusagen, hätte viel Schlimmeres verdient. Andy García spielt diesen Kerl, der Frauen entweder ignoriert oder ihnen aus Versehen nicht zuhört, mit einer Mischung aus Egoismus und Großspurigkeit, schmierig genug, dass man staunt, sobald er den Mund aufmacht. Das gilt sowohl für die Zuschauerinnen als auch für seine Frau, die ihm jeden Tag aufs Neue ihren Trennungswunsch bestätigen muss. Trotzdem stimmt sie zu, den Scheidungsplan vor den Kindern geheim zu halten, damit die Hochzeit ohne Trübsal stattfinden kann.

Ingrid is also a Problem, das Billy umtreibt. Das nächste ist der Verlust der Tochter. Dann deren zukünftiger Ehemann, ein Anwalt, der weder Sport noch Stripperinnen mag, sehr schwierig. Außerdem ist er Mexikaner, Sprössling eines schwerreichen Brauereibesitzers, der gleich beim ersten Kennenlernen verkündet, dass er wesentlich reicher sei als Billy. Damit ist der Wettbewerb der Lateinamerikaner eröffnet, der irgendwann so hitzig wird, dass die kubanische Familie und die mexikanische Familie einander gegenüberstehen und sich ihre Nationalhymnen ins Gesicht schreien.

Das Brautpaar geht in diesem Wahnsinn verloren, aber das ist der Plan. Über die Väter, die außer Rand und Band geraten, lässt sich leichter spaßen als über die eher bemitleidenswerten jungen Menschen, die zaghaft die Worte “intime Feier” murmeln, während bereits zwei Mariachi-Bands, eine durchgedrehte Hochzeitsplanerin, mehrere Cateringfirmen und eineza zaghaft verwandtschaftlicher Trinker vor der Tür warten.

Den Sieg im Hochzeitschaos tragen allerdings die Mütter davon. Sofias Mutter, die Mutter des Bräutigams und die Stiefmutter des Bräutigams haben jensits der Wahrnehmung ihrer Gatten ein eigenes Leben, in dem sie ihre Männer verspotten und ihre Kinder gelegentlich aus dem irren Knast des Patriarchats zurück auf den Boden der Selbstbestimmung holen. Zu ihrer Unterstützung und somit zum wirklich brillianten Happy End muss zwar noch ein Hurrikan her. Aber eins haben diese Mütter erfreulicherweise geklärt: Wenn das jetzt keine Komödie mit viel Feelgood-Anteil wäre, sondern wenn diese Geschichte in realistische Bahnen mündete, also in Scheidung, Schmerz und Schuld, dann würden immer noch die Frauen mit ihrer Zukunft besser klarkommen als dies Manner.

The Vater der Braut, USA 2022 – Regie: Gaz Alazraki. Mit Andy Garcia, Gloria Estefan, Adria Arjona. Warner, 117 Minuten. Kinostart: 21.7.2022.

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