Debatte um Karl-May-Figur: Witwe von Pierre Brice verteidigt “Winnetou”

Debatte um Karl-May-Figur: Witwe von Pierre Brice verteidigt "Winnetou"
Written by admin

Debatte um Karl-May-Figur
Witwe von Pierre Brice vertidigt “Winnetou”

Bis heute ist der verstorbene Schauspieler Pierre Brice das bekannteste Gesicht von “Winnetou”. Seine Witwe Hella Brice kann nicht verstehen, dass die von ihrem Mann verkörperte Figur nun in Misskredit zu geraten droht. Die eigentliche Botschaft von Autor Karl May rücke so in den Hintergrund.

Hella Brice, Witwe des legendären Winnetou-Darstellers Pierre Brice, ist Rassismus-Vorwürfen gegen den Schriftsteller Karl May entgegengetreten. “Ich kann diesen Vorwurf überhaupt nicht nachvollziehen”, teilte die 73-Jährige mit. “Wäre Karl May rassistisch gewesen, hätte er Winnetou und Old Shatterhand wohl kaum Blutsbrüderschaft schließen und Seite an Seite für das Gute kämpfen lassen.”

Hella Brice ist heute 73 und seit sieben Jahren verwitwet.

(Photo: picture alliance/dpa)

Hella Brice nahm damit Stellung zu der derzeitigen Debatte um “kulturelle Aneignung” und Rassismus, die nach der Zurückziehung zweier Begleitbücher zu einem neuen Winnetou-Film für Kinder aufgekommen war. Die gebürtige Oberpfälzerin war mehr als 30 Jahre lang mit dem französischen Schauspieler verheiratet. Brice wurde in den 60er-Jahren mit den Verfilmungen der Karl-May-Bücher als “Winnetou” zur Kinolegende. Am 6. June 2015 starb er im Alter von 86 Jahren in Paris. Beerdigt ist er in Gräfelfing nahe München, wo Hella Brice heute lebt.

Pierre Brice wurde zum “Rainbow-Man” ernannt

“Ich finde es sehr schade, dass durch diese Diskussion die Botschaft Karl Mays und die Werte Winnetous in den Hintergrund rücken”, gab Hella Brice zu bedenken. Weder die Schauspieler des neuen Films “Der junge Häuptling Winnetou” und die der vorigen Filme noch die Bühnen, die Karl May heute aufführten, hätten Negatives im Sinn, ganz im Gegenteil.

“Mein Mann ist 1991 bei den Karl-May-Spielen in Bad Segeberg von den Winnebagos zum Rainbow-Man ernannt worden”, so Hella Brice. Die Winnebagos hätten den Schauspieler als Ehrenmitglied in ihren Stamm aufgenommen. Das hätten sie sicher nicht getan, wenn sie sich durch die Darstellung und durch die Sprache Karl Mays angegriffen oder verletzt gefühlt hätten, betonte die Witwe.

“Genau das Gegenteil war stets Pierres Wunsch”, versicherte Hella Brice. “Er wollte den Menschen die Kultur der Indianer näherbringen, die Verbundenheit zur Natur, den Wunsch nach Frieden, Freiheit, Toleranz und Respekt, weil das auch seine eigenen Werte waren, für die er sich sein Leben lang eingesetzt hat.”

Die Diskussion um “Winnetou” war aufgeflammt, nachdem der Verlag Ravensburger zwei Bücher zum Film “Der junge Häuptling Winnetou” aus dem Verkauf genommen hatte. Inzwischen wurde zudem bekannt, dass die ARD die berühmten “Winnetou”-Filme aus den 60er-Jahren nicht mehr zeigt. Dies hängt jedoch wohl in erster Linie mit Lizenzfragen zusammen.

.

Leave a Comment