Angestellte wettern über Daniel Humms Restaurant. «Egoistisch», «deprimierend», «Shitshow».

Angestellte wettern über Daniel Humms Restaurant. «Egoistisch», «deprimierend», «Shitshow».
Written by admin

Seit das “Eleven Madison Park” vegane Küche anbietet, hagelt es Kritik – und dies nicht nur wegen des Menüs. Die Angestellten seien unter anderem unterbezahlt und das Restaurant des Schweizer Starkochs verschwende Lebensmittel.

“Daniel Humm besitzt weder den Gaumen, noch den Scharfsinn oder das Kulturbewusstsein, um ein veganes Restaurant erfolgreich zu führen”, schrieb ein Kritiker des Branchenmagazins “Eater” als das “Eleven Madison Park” auf die vegane Küche umstieg.

Ein Journalist der «New York Post» behauptete gar, dass dieser Veganismus Daniel Humms Karriere ruinieren könnte.

Das war im vergangenen September. Seither hätten sich mehrere Angestellte über die Arbeitsbedingungen und den Umgang mit Nahrungsmitteln im einst “best Restaurant der Welt” beschwert. Dies berichtet jüngst der “Business Insider”.

In der Reportage kommt ein junger Koch zu Wort, der seine Erfahrungen im strengen Betrieb schildert.

So musste er etwa genau zwölf Zentimeter lange, rote Paprika auftreiben, “damit diese mit den Fotos auf Instagram übereinstimmen”. Weiter erzählt er, dass grosse Mengen des Gemüses direkt im Abfall landen – schon andere ehemalige Mitarbeiter nannten dies die “Von der Farm in den Abfall”-Pipeline.

Doch damit nicht genug.

Während ein veganes Menü bis zu 324 Franken kostet, verdiente der junge Koch knapp 15 Franken in der Stunde. Weiter spricht er von einer sehr strikten Arbeitsatmosphäre, er sei für “zu lautes Eis schöpfen” angeschrien worden.

All dies, während Besitzer und Koch Daniel Humm einen “höheren Zweck” und Hingabe zur Nachhaltigkeit predigte.

Angestellte flohen in Massen

Seit einem Jahr, seit dem veganen Neustart, seien diese Zustände an der Tagesordnung. Und die schlechten Kritiken hageln weiter auf das “Eleven Madison Park” ein.

Nachdem das Restaurant aufgrund der Corona-Pandemie geschlossen werden musste, hatte es bei der veganen Wiedereröffnung eine Warteliste von 50’000 Gästen. Inzwischen sei es jedoch an keinem Abend mehr voll besetzt, schreibt der “Business Insider” weiter.

Dies liege aber keineswegs nur am veganen Menü des New Yorker Restaurants. Viele ehemalige Angestellte bestätigten schwerwiegendere Probleme. Im vergangenen Jahr kämpfte der ehemalige “Place to be” mit Druck, Chaos und Unterbesetzung. Einige hätten Daniel Humm vorgeworfen, sich nur noch um sein Image zu kümmern, um seine Prominenz – anstatt um seine Kochkünste.

Zahlreiche Mitarbeiter hätten aufgrund von Burnouts wieder gekündigt und seien “in Massen geflohen”. Dies von einem Restaurant, bei dem es einst schier unmöglich war, eingestellt zu werden.

Heute suche es per Instagram neue Arbeiter*innen. Offenbar gibt es momentan 16 freie Stellen.

Ein Koch bezeichnete das Restaurant nach seiner Kündigung gar schlicht als “Shitshow». “Wir waren alle deprimiert”, beschreibt ein Mitarbeiter die Situation. “Wir waren uns einig: Dieser Ort ist nicht okay.”

Das Eleven Madison Park sei das “egoistischste Restaurant”, in dem ein anderer Koch je gearbeitet hätte.

Joints and sporadische Besuche

Schwerer Kritik muss sich zudem Daniel Humm selbst auch aussetzen: “Er ist mehr unterwegs als in der Küche. Er machte Schlagzeilen mit seiner Beziehung zu Hollywood-Star Demi Moore, lief nur noch durch die Küche, um VIP-Gästen eine Tour zu geben.”

Eine Tour endete etwa damit, dass der Schweizer Starkoch mit Schauspieler Woody Harrelson 2021 in der Küche tanzte, während sie sich einen Joint anzündeten.

Trotz der Kritik hätten viele Mitarbeiter*innen dennoch beteuert, dass nicht der tiefe Lohn oder die harten Arbeitsbedingungen die Hauptgründe für ihre Kündigung gewesen seien. Sie hätten schlicht nicht mehr an Humms Mission geglaubt.

“Es wird wahrscheinlich nie mehr dasselbe Restaurant wie früher sein, weil es die vorherige Kultur nicht mehr aufbauen kann”, wird ein Mitarbeiter zitiert.

Ganz abschreiben könne man das “Eleven Madison Park” allerdings nicht – trotz des chaotischen Jahres. Die “unendliche Neuerfindung” wäre schon immer Teil des Restaurants gewesen, kommentiert ein Kritiker die momentane Abwärtsspirale.

Humm habe als Reaktion unter anderem ein billigeres veganes Menü zusammengestellt – für knapp 150 Franken – und würde inzwischen auch Trinkgeld für seine Angestellten erlauben. Die Mitarbeiter*innen, die den veganen Relaunch miterlebt hätten, hofften zudem weiterhin, dass das Restaurant zu seinem ehemaligen Ruhm zurückfindet.

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